Überblick

Denkmalpflege - vom Land unterstützt

Schloss in Bad Urach (Quelle: © LAD, Irene Plein)

Etwa 96.000 Bau- und Kunstdenkmale sowie etwa 82.000 archäologische Denkmale machen das Land Baden-Württemberg zu einem der kulturell und historisch reichsten Lebensräume Deutschlands. Die Denkmalpflege möchte diese Kulturdenkmale schützen und sie für künftige Generationen erhalten.

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau ist oberste Denkmalschutzbehörde, entscheidet über grundsätzliche Fragen, regelt das denkmalrechtliche Verfahren, erlässt Vorschriften und ist am Gesetzgebungsverfahren beteiligt. Eigentümer von Kulturdenkmalen werden durch Steuererleichterungen und einem Förderprogramm darin unterstützt, ihre Denkmale zu erhalten und zu pflegen.

Denkmalförderung durch Steuererleichterungen

Denkmaleigentümer können steuerliche Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Nach den §§ 7i, 10f, 11b und 10g des Einkommensteuergesetzes (EStG) gibt es besondere Absetzungsmöglichkeiten für Ausgaben, die bei Maßnahmen an Kulturdenkmalen entstanden sind.

Für die Erteilung von Bescheinigungen nach § 10g EStG ist das Landesamt für Denkmalpflege zuständig. Für die Erteilung von Bescheinigungen nach §§ 7i, 10f und 11b sind die unteren Denkmalschutzbehörden zuständig. Diese besondere Bescheinigung ist dem zuständigen Finanzamt vorzulegen.

Denkmalförderung durch Zuschüsse

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau stellte bisher jährlich ein Denkmalförderprogramm auf.

Die VwV-Denkmalförderung vom 26. November 2012, die bisher u.a. Grundlage für die Gewährung einer Zuwendung war, ist zum 1. Oktober 2019 außer Kraft getreten und wird derzeit aktualisiert.

Das Land stellte im Denkmalförderprogramm 2018 rund 18,6 Millionen Euro an Zuschüssen zur Verfügung. Die 392 Zuschüsse verteilten sich zu rund 49 Prozent auf private, zu 34 Prozent auf kirchliche und zu 16 Prozent auf kommunale Maßnahmen (Summe der Prozentzahlen kann rundungsbedingt von 100% abweichen). Damit leistet das Land einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung und Pflege der baden-württembergischen Kulturdenkmale.

Liste der geförderten kirchlichen und kommunalen Vorhaben 2019 - 1. Tranche (PDF)

Liste der geförderten kirchlichen und kommunalen Vorhaben 2019 - 2. Tranche (PDF)

UNESCO - Weltkulturerbe

In ganz Deutschland sind 44 Welterbestätten in die UNESCO-Liste eingetragen (Stand: 2018), sechs davon liegen in Baden-Württemberg: das Zisterzienserkloster Maulbronn, die Klosterinsel Reichenau, der Obergermanisch-Raetische Limes, die Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen und die beiden Le Corbusier-Häuser in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung. Seit Juli 2017 gehören auch die „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ im Ach- und Lonetal zur UNESCO-Liste.

Alle sechs Welterbestätten im Land zeichnen sich durch ihren außergewöhnlichem universellen Wert, ihre Authentizität und Einzigartigkeit aus und gehören zum unschätzbaren und unersetzlichen Erbe der ganzen Menschheit.

Die Auszeichnung ist gleichzeitig Verpflichtung, die Welterbestätten in Bestand und Bedeutung zu schützen, diese an die Öffentlichkeit zu vermitteln und ihre Weitergabe an künftige Generationen zu sichern. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg koordiniert die Antragsverfahren, begleitet die Auswahlverfahren bis zur Eintragung und fungiert im Land und gegenüber dem Bund als zuständiger Ansprechpartner.

Aufgabe und rechtliche Grundlage des Denkmalschutzes

Aufgabe von Denkmalschutz und Denkmalpflege sind die Erfassung von Kulturdenkmalen, ihr Schutz und ihre Pflege mit dem Ziel größtmöglicher Substanzerhaltung. Rechtsgrundlage dafür ist das Denkmalschutzgesetz für Baden-Württemberg in der Fassung vom 6.12.1983 (GBl. S.797), zuletzt geändert am 9.12.2014 (GBl. S. 686). Dabei sind Kulturdenkmale alle Gegenstände, an deren Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht.

Wirtschaftlicher Nutzen der Denkmalpflege

Es geht bei der Denkmalpflege jedoch nicht allein um das Bewahren und Erforschen. Auch der wirtschaftliche Nutzen von Maßnahmen der Sanierung und Vitalisierung von Baudenkmalen ist erheblich. Denkmalförderung kommt fast ausschließlich dem Mittelstand, dem lokalen Gewerbe, dem Handwerk und den Freiberuflern zugute. Sie schafft und sichert Arbeitsplätze, da rund 80 Prozent der Gesamtkosten für die Erhaltung von Altbauten Personalkosten sind. Die Mittel der Denkmalförderung lösen Folgeinvestitionen in bis zu achtfacher Höhe des Fördervolumens aus. Dadurch werden Wirtschaftskreisläufe angestoßen und konjunkturpolitische Akzente gesetzt. Darüber hinaus ist die Erhaltung und Nutzung vorhandener Bausubstanz im Sinne nachhaltiger Stadtentwicklung Ressourcen schonend und im Hinblick auf verwendete Materialien und Techniken ökologisch sinnvoll.