Ausbildung

Spitzengespräch Ausbildung

Beim heutigen Spitzengespräch des Ausbildungsbündnisses BW unter Leitung von Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut standen der fortschreitende Strukturwandel, der Einfluss digitaler Medien und die Zukunftsfähigkeit der Ausbildung im Mittelpunkt.

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Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kammern, Gewerkschaften und Bildungseinrichtungen diskutierten, wie Baden-Württemberg den Wandel aktiv gestalten kann.

„Der Ausbildungsmarkt befindet sich im Umbruch – geprägt von technologischen Fortschritten, globaler Vernetzung und tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen“, betonte Ministerin Hoffmeister-Kraut. „Umso wichtiger ist es, jungen Menschen Perspektiven zu bieten und Unternehmen zu ermutigen, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auszubilden.“

Digitale Medien: Chancen für Sichtbarkeit – Risiken für Konzentration und Reife

Ein besonderer Schwerpunkt des Gesprächs lag auf der veränderten Mediennutzung junger Menschen. Soziale Medien prägen Berufsorientierung, Kommunikation und Werte junger Generationen stärker denn je. „Soziale Medien eröffnen neue Wege, Jugendliche zu erreichen und für Ausbildung zu begeistern. Sie können Brücken bauen zwischen Betrieben und jungen Talenten – schnell, kreativ und authentisch“, sagte Hoffmeister-Kraut. „Gleichzeitig sehen wir, dass exzessive Mediennutzung Konzentration, Motivation und Ausbildungsreife beeinträchtigen kann. Hier brauchen wir einen bewussten Umgang und gezielte Medienbildung.“

Die Ministerin sprach sich für eine Stärkung digitaler und sozialer Kompetenzen in Schule und Ausbildung aus. Nur wer Medien reflektiert nutzt, könne die Potenziale der Digitalisierung für beruflichen Erfolg und gesellschaftliche Teilhabe ausschöpfen.

Neue Lernwege und Kompetenzen für die Wirtschaft von morgen

Mit Blick auf die Zukunft forderte Hoffmeister-Kraut, Ausbildung stärker an digitale, nachhaltige und soziale Veränderungsprozesse anzupassen. „Wir müssen Bildung neu denken: praxisnah, digital, interdisziplinär. Junge Menschen sind unsere wichtigste Zukunftsressource – wir müssen sie befähigen, nicht nur Schritt zu halten, sondern Innovation mitzugestalten.“ Konkret gehe es um die Integration digitaler Lernmethoden, die Förderung von kritischem Denken, Problemlösungsfähigkeit und Teamfähigkeit. Diese Kompetenzen seien entscheidend, um in einer zunehmend vernetzten Arbeitswelt erfolgreich zu sein. „Eine starke Ausbildung ist die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand in Baden-Württemberg“, so Hoffmeister-Kraut. „Wir müssen jetzt die richtigen Weichen stellen – mit Mut, Offenheit und Zuversicht.“

Gemeinsame Verantwortung für eine zukunftsfähige Ausbildung

Die Mitglieder des Ausbildungsbündnisses unterstrichen die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen. Nur durch gemeinsames Handeln könne es gelingen, Ausbildungsinhalte an die sich wandelnden Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen.

Kultusstaatssekretärin Sandra Boser sagte: „Es ist essenziell, dass sich Jugendliche verantwortungsvoll und selbstbestimmt in der digitalen Welt bewegen – von der Nutzung sozialer Medien bis hin zur Verwendung von Künstlicher Intelligenz. Das neu eingeführte Pflichtfach Informatik und Medienbildung legt die Grundlagen, um in der digitalen Arbeitswelt sicher Fuß zu fassen. Schließlich suchen Unternehmen junge Menschen mit ‚Future Skills‘, die flexibel mit komplexen Herausforderungen umgehen, technische und digitale Fähigkeiten besitzen und die Zukunft aktiv gestalten können.“

Martina Musati, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, äußerte: „Die berufliche Ausbildung ist eine der großen Stärken Baden-Württembergs. Sie bietet jungen Menschen nicht nur einen soliden Start ins Berufsleben, sondern auch Perspektiven für eine erfolgreiche berufliche Zukunft. Ende September warteten noch knapp 10.000 betriebliche Ausbildungsstellen darauf besetzt zu werden. Jugendliche, die die Angebote der Berufsberatung nutzen, diese als unterstützend erleben und vor allem Praktika machen, haben bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Auch die Bundesagentur für Arbeit setzt auf interaktive, von KI unterstützte Berufswahlangebote. Hier geht es darum, gemeinsam mit den Jugendlichen Fähigkeiten wie Medienkompetenz, Selbstreflexion, Entscheidungsfähigkeit, Lernbereitschaft und Resilienz einzuüben. Das sind genau die Fähigkeiten, die in einer gewandelten Berufswelt gebraucht werden.“

Rainer Reichhold, Präsident von HANDWERK BW: „Ausbildung schafft Zukunft, das gilt auch in bewegten Zeiten. Unsere Betriebe setzen der verbreiteten Unsicherheit das deutliche Angebot stabiler Perspektiven entgegen. Die Wirtschaft investiert in moderne Lernumgebungen, in digitale Kompetenzen und qualifizierte Ausbilderinnen und Ausbilder. Die Ausbildungszahlen sind entgegen der wirtschaftlichen Hiobsbotschaften noch relativ krisenfest. Das ist ein starkes Signal und sollte von Lehrern, Eltern und Jugendlichen als Pluspunkt der dualen Ausbildung begriffen werden. Damit die Ausbildung so attraktiv bleibt, brauchen wir eine Bildungspolitik, die die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Laufbahn noch viel deutlicher fördert. Dabei darf Digitalisierung kein Selbstzweck sein. Sie muss jungen Menschen helfen, Kompetenzen in der Nutzung zu entwickeln und verantwortlich mit Digitalem umzugehen. Die Partner des Ausbildungsbündnisses und ihre Ausbildungsbetriebe in Baden-Württemberg stehen bereit, diesen Wandel mitzugestalten.“

„Die rückläufige Zahl an Ausbildungsplätzen besonders in der Industrie und vermehrte Schwierigkeiten bei der Übernahme junger Fachkräfte sind ein Alarmsignal, das wir alle nicht überhören dürfen“, warnt Kai Burmeister, Vorsitzender des DGB Baden-Württemberg. „Besorgniserregend ist die kontinuierlich wachsende Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss. Wenn junge Menschen keine Perspektive finden und Betriebe gleichzeitig über Fachkräftemangel klagen, läuft etwas grundsätzlich schief.“ Eine zukunftsfähige Ausbildung gelinge nur, wenn Betriebe, Kammern, Schulen, Politik und Gewerkschaften an einem Strang zögen. „Und dafür brauchen wir dieses Ausbildungsbündnis“, erklärt Burmeister.

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