Beim Wirtschaftsforum Baden-Württemberg-Ukraine kamen heute (27. Juli) in Stuttgart Wirtschaft und Politik zusammen, um Erfahrungen in der Unternehmenspraxis auszutauschen und neue Kooperationen anzubahnen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung mit Unternehmen, Institutionen und politischen Entscheidungsträgern aus beiden Ländern standen die Geschäftschancen für baden-württembergische Unternehmen, die neue Wirtschaftspartnerschaft des Landes mit der Region Lwiw (Ukraine) sowie Erfahrungen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in der Zusammenarbeit mit der Ukraine.
„Die Ukraine bietet trotz der anhaltenden Herausforderungen schon jetzt vielfältige Chancen für wirtschaftliche Zusammenarbeit und gemeinsame Innovationen. Mit unserer im Februar vereinbarten Wirtschaftspartnerschaft mit der Region Lwiw schaffen wir einen Rahmen, um die Zusammenarbeit zwischen unseren Regionen gezielt weiterzuentwickeln. Entscheidend ist, dass aus dem politischen Bekenntnis nun die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen der Wirtschaft und vor allem den Unternehmen konkretisiert wird. Genau dafür bringt das Wirtschaftsforum heute die richtigen Akteure zusammen“, sagte Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus.
Mit einer hochrangigen Delegation aus Lwiw unter Leitung der Vize-Gouverneurin Khrystyna Zamula präsentierte sich eine der wirtschaftlich dynamischsten Regionen der Ukraine vor rund 300 Veranstaltungsgästen. Vertreterinnen und Vertreter des Unternehmerverbands European Business Association, des Lviv IT Clusters und des Lviv Defence Clusters stellten die wirtschaftlichen Stärken der Region Lwiw vor und erläuterten konkrete Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit mit baden-württembergischen Unternehmen.
Ministerin Dr. Hoffmeister-Kraut freute sich, dass auch der Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland, S. E. Oleksii Makeiev, nach Stuttgart gekommen war. „Die Anwesenheit der Vize-Gouverneurin aus Lwiw und des ukrainischen Botschafters sind Ausdruck der Wertschätzung und Bedeutung der baden-württembergischen Wirtschaft für die Ukraine“, so die Ministerin.
Ein weiterer Schwerpunkt des Wirtschaftsforums waren die Perspektiven für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie bei der Zusammenarbeit mit der Ukraine. „Die Ukraine verfügt heute über umfangreiche Erfahrungen und entwickelt mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit und hoher Innovationskraft neue Technologien. Baden-Württemberg verfügt über die industrielle Basis, die Forschungslandschaft und die Fertigungskompetenz, um daraus marktfähige Anwendungen zu entwickeln. Diese Kompetenzen ergänzen sich gut und eröffnen unmittelbare Chancen für eine wettbewerbsfähige europäische Verteidigungsindustrie“, betonte Hoffmeister-Kraut.
Das Wirtschaftsforum Baden-Württemberg – Ukraine wurde gemeinsam mit zentralen Verbänden und Institutionen der baden-württembergischen Wirtschaft ausgerichtet.
Stimmen der beteiligten Verbände und Institutionen:
Dr. Dietrich Birk, Geschäftsführer des VDMA Baden-Württemberg:
„Trotz der weiterhin schwierigen Situation ist die ukrainische Wirtschaft aktiv, widerstandsfähig und bereitet sich intensiv auf den kommenden Wiederaufbau vor. Der Maschinenbau spielt hierbei in vielen Bereichen eine wichtige Rolle: In der Energie- und Infrastrukturtechnik, bei Baumaschinen, Baustoffanlagen und Fördertechnik, bei Agrartechnik und Lebensmittelverarbeitung, Metallverarbeitung, Automatisierung und Robotik.
Ukrainische Unternehmen zeigen großes Interesse an energieeffizienten und robusten Produktionslösungen aus Deutschland. Die EU-Annäherung und Modernisierungsbestrebungen treiben die Nachfrage weiter voran.
Das Wirtschaftsforum Baden-Württemberg – Ukraine bietet den Maschinenbauunternehmen im Land zum richtigen Zeitpunkt die Gelegenheit, Marktchancen auszuloten, Kontakte in der Ukraine zu intensivieren und konkrete Anknüpfungspunkte für industrielle Kooperationen zu finden.“
Thomas Bürkle, Präsident der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW):
„Für die baden-württembergische Wirtschaft ist das Engagement in der Ukraine nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Solidarität, sondern auch eine Investition in die gemeinsamen Zukunftsmärkte von morgen. Der Wiederaufbau und die Modernisierung der ukrainischen Wirtschaft bieten für unsere Unternehmen bedeutende Marktchancen. Die Ukraine fragt genau das nach, was die baden-württembergische Wirtschaft im Kern auszeichnet: Spitzen-Technologien im Maschinenbau und in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, dezentrale Energielösungen für eine krisenfeste Infrastruktur sowie innovative Medizintechnik. Gleichzeitig beziehen wir auch wichtige Importgüter aus der Ukraine. Über die vertiefte Zusammenarbeit mit der Region Lwiw hinaus streben wir weitere verlässliche Kooperationen auf Augenhöhe an. Dabei können unsere Betriebe enorm von der hohen Anpassungsfähigkeit und Resilienz ukrainischer Unternehmen, insbesondere auch im Verteidigungssektor, lernen.“
Prof. Dr. Rainer Lindner, Vorsitzender Deutsch-Ukrainisches Forum e.V.:
„Das Wirtschaftsforum Baden-Württemberg - Ukraine setzt unsere Bemühungen in Baden-Württemberg um eine starke Partnerschaft mit der Ukraine und vor allem dem Gebiet Lwiw fort, die wir mit einer BW-Wirtschaftsdelegation nach Lwiw und Kyjiw im Juli 2025 initiiert haben.
Die Unternehmen aus dem Südwesten können zum Wiederaufbau der Ukraine mit Technologie und Innovation über Lieferung, Service und perspektivischer Lokalisierung beitragen.
Gemeinsam leisten wir so einen Beitrag für die Wirtschaft in BW und der Ukraine und zur Stabilität in Europa.“
Gunnar Mey, Geschäftsführer von Baden-Württemberg International (BW_i):
„Beim Wiederaufbau wird die Ukraine auf internationale Partnerschaften angewiesen sein, und die baden-württembergische Wirtschaft kann dabei eine starke Rolle spielen. Das Wirtschaftsforum bietet den hiesigen Unternehmen die Möglichkeit, Geschäftschancen und Kooperationen auszuloten sowie sich zu vernetzen. Wir von BW_i können den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zur Ukraine mit unserem umfassenden Angebot wie etwa Unternehmerreisen, Messebeteiligungen, Matchmaking-Plattformen oder Start-up-Kooperationen nachhaltig unterstützen.“
Dr. Sönke Voss, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben mit Sitz der Koordinierungsstelle „Gesamtverteidigung“ für die baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern im BWIHK:
„Der Wiederaufbau der Ukraine beginnt nicht erst nach dem Krieg – er findet bereits heute statt. Die Ukraine entwickelt sich zu einem der dynamischsten Zukunftsmärkte Europas. Wer jetzt Partnerschaften aufbaut und gemeinsam Innovationen vorantreibt, gestaltet diesen Wandel aktiv mit. Davon profitiert nicht nur die Ukraine. Wir stärken damit zugleich die wirtschaftliche Innovationskraft, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit Europas.“
Hintergrundinformationen:
Zur Wirtschaftspartnerschaft Baden-Württemberg - Lwiw
Baden-Württemberg und die ukrainische Region Lwiw haben am 12. Februar 2026 in Stuttgart einen Letter of Intent (LoI) zur Vertiefung ihrer wirtschaftlichen und innovationsorientierten Zusammenarbeit unterzeichnet. Baden-Württemberg und Lwiw vertiefen wirtschaftliche Zusammenarbeit: Baden-Württemberg.de
Die Partnerschaft konzentriert sich auf drei Zukunftsfelder:
- Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Künstliche Intelligenz
- Gesundheitswirtschaft und Medizintechnik
- sicherheits- und verteidigungsrelevante Industrien
Ziel ist es, den Austausch zwischen Unternehmen, angewandter Wissenschaft und Institutionen zu intensivieren und gemeinsame Innovations- und Kooperationsprojekte anzustoßen.
Die Region Lwiw liegt im Westen der Ukraine und grenzt unmittelbar an Polen und damit an der Europäischen Union. Mit rund 2,3 Millionen. Einwohnern zählt sie zu den bevölkerungs- und wirtschaftsstärksten Regionen des Landes. Lwiw gilt als bedeutender Industrie-, Handels- und Logistikstandort mit einer breit diversifizierten Wirtschaftsstruktur. Besonders stark vertreten ist die IT-Wirtschaft.
Zur wirtschaftlichen Lage und zu den Geschäftschancen in der Ukraine
Trotz des anhaltenden russischen Angriffskriegs bleibt das Engagement deutscher Unternehmen hoch. Laut German-Ukrainian Business Outlook 2026 bewerten 80 Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage in der Ukraine als zufriedenstellend, gut oder sehr gut.
38 Prozent der Unternehmen planen, ihre Aktivitäten in der Ukraine unabhängig vom weiteren Kriegsverlauf auszubauen oder neu in den Markt einzutreten; 63 Prozent wollen ihre Investitionen nach Kriegsende ausweiten.
Als größte Standortvorteile nennen die Unternehmen das Marktpotenzial, qualifizierte Fachkräfte und den hohen Digitalisierungsgrad; zugleich bleiben kriegsbedingte Risiken die größte Herausforderung.
Studie: German-Ukrainian Business Outlook 2026, herausgegeben von der AHK Ukraine und KPMG Deutschland. Download unter: https://ukraine.ahk.de bzw. https://kpmg.de.
Zu den Perspektiven für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie
Mit dem Projekt „Technologiekooperation BW–Ukraine: Impulse für Sicherheit, Resilienz und wirtschaftliche Stärke“ unterstützt das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg den Aufbau strategischer Kooperationen zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Clustern aus Baden-Württemberg und der Ukraine. Das vom Steinbeis Europa Zentrum umgesetzte Projekt wird mit 250.000 Euro gefördert und umfasst unter anderem Delegationsveranstaltungen, Matchmaking, Workshops sowie Beratungen zu europäischen Förderprogrammen. Land fördert Technologiekooperation mit der Ukraine: Baden-Württemberg.de
Deutschland und die Ukraine haben im April 2026 ihre Beziehungen auf eine strategische Partnerschaft gehoben. Im Rahmen der ersten deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen seit mehr als 20 Jahren vereinbarten beide Regierungen unter anderem eine Vertiefung der verteidigungsindustriellen Zusammenarbeit, den Ausbau gemeinsamer Entwicklungsprojekte, den Austausch technologischer Daten sowie die Förderung deutsch-ukrainischer Joint Ventures.
Auch die Europäische Union baut die Zusammenarbeit mit der ukrainischen Verteidigungsindustrie aus. Im Juli 2026 unterzeichneten die Europäische Kommission und die Ukraine eine EU–Ukraine Defence Industrial Partnership. Ziel ist es, die ukrainische und europäische Verteidigungsindustrie enger zu verzahnen, gemeinsame Investitionen und Joint Ventures zu erleichtern sowie Innovations- und Produktionskapazitäten in Europa zu stärken.
















