Der Industriestandort Baden-Württemberg steht beispielhaft für viele der wirtschaftspolitischen Fragen, die derzeit auf europäischer Ebene entschieden werden: Wie bleibt industrielle Produktion wettbewerbsfähig? Wie können neue Technologien schneller in die Anwendung kommen? Und wie gelingt es, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Europa zu halten und neue zu schaffen? Der zweitägige Besuch von EU-Generaldirektorin Kerstin Jorna bot die Gelegenheit, diese Fragen unmittelbar mit Unternehmen, Verbänden und der Landespolitik zu diskutieren und Erfahrungen aus Baden-Württemberg in die europäische Debatte einzubringen.
Kerstin Jorna, Generaldirektorin für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Europäischen Kommission, war am 21. und 22. September zu Gast in Baden-Württemberg. Bei Unternehmensbesuchen und Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Politik ging es um die Wettbewerbsfähigkeit Europas, den industriellen Strukturwandel und die Chancen neuer Technologien.
Generaldirektorin Kerstin Jorna sagte: Baden-Württemberg ist ein hervorragendes Beispiel für das industrielle und innovative Potenzial Europas. Von der Fertigung und Robotik bis hin zur KI entwickeln europäische Unternehmen Technologien, die neue Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen. Wir müssen den Marktzugang für diese Technologien sowie das Wachstum von Unternehmen in Europa erleichtern. Ein funktionierender Binnenmarkt sowie wettbewerbsfähige und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen sind der Schlüssel dazu.“
Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut sagte: „Baden-Württemberg steht wie kaum eine andere Region für die Herausforderungen und Chancen des industriellen Strukturwandels in Europa. Unsere Schlüsselindustrien stehen unter enormem Wettbewerbsdruck. Gleichzeitig entstehen mit KI, Robotik und anderen neuen Technologien große Chance. Entscheidend ist, dass daraus neue Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze entstehen. Dafür brauchen unsere Unternehmen in Europa die richtigen Rahmenbedingungen: weniger Bürokratie, mehr Tempo und mehr Raum für Innovation. Darüber müssen wir mit Brüssel sprechen und deswegen ist der direkte Austausch mit Kerstin Jorna so wichtig.“
Wie unterschiedlich sich dieser Wandel in der Wirtschaft auswirkt, zeigte sich an mehreren Stationen der Reise. Zum Auftakt besuchte Generaldirektorin Jorna das Entwicklungszentrum der STIHL AG. Dort sprach sie mit Unternehmensvertretern über die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa, insbesondere für die produzierende Industrie.
Bei einem Austausch in der IHK Reutlingen rückte am Beispiel industrieller Textilien die Bedeutung europäischer Wertschöpfungsketten in den Blick. Dabei wurde deutlich, welche Bedeutung der Binnenmarkt gerade für hoch spezialisierte Unternehmen hat.
Einen besonderen Schwerpunkt bildete am zweiten Reisetag ein politisches Gespräch zum Automobilstandort Baden-Württemberg und Europa. Gemeinsam mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut schilderten Vertreterinnen und Vertreter der Branche ihre aktuellen Herausforderungen. Diskutiert wurde, welche europäischen Rahmenbedingungen den Strukturwandel ermöglichen und zugleich die industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung am Standort sichern können.
Ein weiterer Schwerpunkt der Reise war die Frage, wie die europäische Politik diesen Wandel unterstützen kann. Bei einem Round Table zum geplanten Europäischen Wettbewerbsfähigkeitsfonds diskutierte die Generaldirektorin gemeinsam mit Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Dörflinger und Europa-Staatssekretärin Cornelia von Loga mit Vertreterinnen und Vertretern der baden-württembergischen Wirtschaft, darunter BWIHK-Präsident Dr. Jan-Stefan Roell, UBW-Präsident Thomas Bürkle sowie Dr. Reiner Dietrich, Präsident und Vorstandsvorsitzender des Bankenverbandes Baden-Württemberg. Thema war die praxisgerechte Ausgestaltung des Fonds. Dieser soll künftig insbesondere dazu beitragen, disruptive Technologien schneller in marktfähige Produkte und Dienstleistungen zu überführen.
Staatssekretär Thomas Dörflinger sagte: „Der Europäische Wettbewerbsfähigkeitsfonds kann dazu beitragen, dass aus guten Ideen schneller gute Produkte werden. Wichtig ist, dass die Förderung einfach funktioniert und bei den Unternehmen ankommt. Ich bin zuversichtlich, dass wir dann auch neue Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Baden-Württemberg und Europa schaffen.“
Die Chancen neuer Technologien standen auch bei den Begegnungen mit Unternehmen und Innovationsnetzwerken im Vordergrund. Bei NEURA Robotics informierte sich Generaldirektorin Jorna über die Entwicklung des Robotik-Ökosystems in Europa. Diskutiert wurde, wie neue Technologien schneller in die industrielle Anwendung kommen und junge Unternehmen in Europa erfolgreich wachsen können.
Zum Abschluss besuchte Kerstin Jorna den IPAI in Heilbronn. Bei einer Führung und im Austausch mit Schwarz Digits und der IPAI-Community erhielt sie Einblicke in den Aufbau eines leistungsfähigen KI-Ökosystems in Europa.















