Dialog und Perspektive Handwerk 2025

Wirtschaftsministerin und BWHT beraten Zukunftsthemen des Handwerks und der Mittelstandspolitik

Berechne Lesezeit
  • Teilen

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut hat sich am 27. Oktober 2016 in Stuttgart mit den Spitzenvertretern des Handwerks im Land getroffen, um sich zu aktuellen Herausforderungen sowie Zukunftsthemen des Handwerks und der Mittelstandspolitik auszutauschen. Ansatzpunkte hierfür liefert der anlässlich der Sitzung veröffentlichte Zwischenbericht des gemeinsam von Wirtschaftsministerium und Baden-Württembergischem Handwerkstag (BWHT) initiierten Strategieprojekts „Dialog und Perspektive Handwerk 2025“, der erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme des Handwerks im Land vornimmt und künftige Herausforderungen skizziert.

„Dem Handwerk in Baden-Württemberg geht es - auch im Bundesvergleich - insgesamt gut. Gleichwohl steht es in den nächsten Jahren vor großen Umwälzungen, die wir alle - also Betriebe, Handwerksorganisationen und Politik - gemeinsam meistern müssen“, sagte Ministerin Hoffmeister-Kraut.

„Die Studie gibt nicht nur einen aktuellen Stand zu Situation und Strukturen des Handwerks im Land, sondern zeigt auch die Herausforderungen auf“, unterstrich BWHT-Präsident Rainer Reichhold. Mit der Durchführung der Studie waren das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk (ifh) Göttingen und das Institut für Technik der Betriebsführung (itb) Karlsruhe beauftragt.

Das Handwerk im Land sei ein zentraler Baustein der wirtschaftlichen Stärke Baden-Württembergs, fassten Hoffmeister-Kraut und Reichhold erste Ergebnisse zusammen.

Strategieprojekt „Dialog und Perspektive Handwerk 2025“
Die Stärke des Handwerks zeigt sich vor allem an der Zahl der tätigen Personen und am Umsatz. Die Werte für Baden-Württemberg übertreffen hier das Bundesergebnis deutlich. Grund hierfür sind die vielen Zulieferer und Investitionsgüterhersteller im Land. Allerdings sind die Stundenverrechnungssätze beispielsweise in den baden-württembergischen elektro- und informationstechnischen Handwerken um über 12 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Konsequenz ist, dass die Betriebe relativ selten außerhalb der Landesgrenzen arbeiten und eher Handwerksbetriebe aus anderen Bundesländern in Baden-Württemberg tätig sind.

Als weiteres Ergebnis kommt der Zwischenbericht der Studie zum Schluss, dass die Folgen der Novellierung der Handwerksordnung 2004 in Baden-Württemberg etwas weniger sichtbar sind als im bundesweiten Vergleich. So gibt es beispielsweise weniger Soloselbstständige und die zulassungsfreien Gewerke sind nicht ganz so stark gewachsen wie andernorts. Die zulassungspflichtigen Handwerke haben dagegen einen vergleichsweise großen Stellenwert. Generell ergab die Analyse, dass die Polarisierung des Handwerks einerseits in kleine und andererseits in sehr große Unternehmen im Land stärker ist als bundesweit, was wiederum an den für Handwerksbetriebe oft überdurchschnittlich großen Zulieferern und Investitionsgüterherstellern liegen dürfte.

Zu den großen Herausforderungen für das Handwerk zählt die Studie die Fachkräftesituation. Zwar ist ein hohes Potenzial an Auszubildenden vorhanden, das Handwerk kann aber fast zwei Drittel seiner Fachkräfte über die Lebensarbeitszeit nicht halten. Offene Stellen können vielfach nicht wiederbesetzt werden. Im Vergleich zu 2008 ist das Handwerk bei Umsatz und tätigen Personen zudem weniger stark gewachsen als die Gesamtwirtschaft des Landes. Die Zahl der Betriebe ging – anders als in der gesamten Wirtschaft – sogar zurück. Das Handwerk hat also gesamtwirtschaftlich an Stellenwert verloren.

„Aus diesen Erkenntnissen müssen wir jetzt die richtigen Schlüsse ziehen“, sagte Reichhold. Die Wirtschaftsministerin hob die große Bedeutung des Handwerks „für Arbeitsplätze auch im ländlichen Raum, für eine flächendeckende wohnortnahe Versorgung und insbesondere für die Qualifikation der Beschäftigten“ hervor. Das Handwerk bilde nach wie vor über den eigenen Bedarf hinaus aus. Dies solle so bleiben, betonte Hoffmeister-Kraut.

Nächster Schritt des Gesamtprojekts ist nun die Auswertung der zehn regionalen Workshops, in denen diese und weitere Herausforderungen der nächsten zehn Jahre unter wissenschaftlicher Begleitung mit Betriebsinhabern diskutiert wurden. Aus Bestandsanalyse und Ergebnissen der Workshops würden Handlungsempfehlungen für Betriebe und Handwerksorganisationen, aber auch für die Politik formuliert, so Hoffmeister-Kraut und Reichhold, die im Rahmen der Abschlussveranstaltung zum Projekt am 30. Januar 2017 im Haus der Wirtschaft in Stuttgart vorgestellt werden. Das Handwerk brauche keine Studie für die Schublade, sondern die Theorie müsse auch tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden. Handwerk und Ministerium würden in engem Kontakt die weitere Umsetzung der Empfehlungen begleiten.

Handwerk und Mittelstandspolitik
Weitere Themen der Beratungen von Ministerin Hoffmeister-Kraut und den BWHT-Beiratsmitgliedern waren die Weiterentwicklung der „Allianz Industrie 4.0“ zur „Allianz Wirtschaft 4.0“ sowie die Rolle des künftigen Technologiebeauftragten der Landesregierung. Auch die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung, Maßnahmen zugunsten der Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung, die geplante Evaluierung des Bildungszeitgesetzes sowie der Bürokratieabbau wurden als aktuelle mittelstandspolitische Themen, von denen das Handwerk breit betroffen sei, diskutiert.

Struktur- und Bestandsanalyse „Dialog und Perspektive Handwerk 2025“ (PDF)

Weitere Meldungen

Eröffnung Technologiezentrum Bundesakademie Deutsches Bäckerhandwerk
Handwerk

Hightech trifft Backstube

Modernisierung der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim abgeschlossen.

Logo
Start-up BW

Start-up BW Pre-Seed nimmt weitere Unternehmen auf

Frühe Finanzierung für Unternehmen: Start-up BW Pre-Seed nimmt weitere Unternehmen auf.

Zulieferertag 2026
Automobilwirtschaft

Zulieferertag Automobilwirtschaft BW 2026

Zwischen Kostendruck und Strukturwandel - Wie Baden-Württembergs Automobilzulieferer wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Start-up BW Local
Start-up BW

„Start-up BW Local“ – der Landeswettbewerb für gründungsfreundliche Kommunen

„Start-up BW Local“ – der Landeswettbewerb für gründungsfreundliche Kommunen – zeichnet 23 Kommunen und Kommunalverbünde aus.

Delegationsreise China
Reise

Staatssekretär zu Reise nach China aufgebrochen

Staatssekretär besucht Empfang anlässlich Partnerschaftsjubiläum in Liaoning und informiert sich über wirtschaftspolitische Schwerpunkte Chinas.

Radarsatellit umrundet die Erde.
Förderung

Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt 2026 mit 9,7 Millionen Euro unterstützt

Baden-Württemberg unterstützt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt 2026 mit 9,7 Millionen Euro.

Eine Hand hält eine Glühbirne in die Höhe
Bundesrat

Bundesrat billigt Baden-Württembergs Forderung zum Wissenschaftsfreiheitsgesetz

Jahrelanger Einsatz zahlt sich aus: Bundesrat billigt Baden-Württembergs Forderung zum Wissenschaftsfreiheitsgesetz

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Handwerk

Wirtschaftsministerin reist nach Rumänien

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut reist mit HANDWERK BW und baden-württembergischen Handwerksunternehmen nach Rumänien.

Quelle: unsplash / dylan-gillis
Berufliche Ausbildung

„Erfolgreich ausgebildet – Ausbildungsqualität sichern“ wird weiter ausgebaut

Das Ministerium für Wirtschaft Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg baut das Förderprogramm „Erfolgreich ausgebildet – Ausbildungsqualität sichern“ weiter aus.

Virtuelle Visualisierung einer Glühbirne
Zumeldung

Erweiterung der SUSS MicroTec SE in Karlsruhe

Erweiterung der SUSS MicroTec SE in Karlsruhe – Klares Bekenntnis zum Standort in Baden-Württemberg.

Start-up WOW Challenge 2026
Start-up BW

BLACKPIN.IOT GmbH agewinnt den Regional Cup „Start-up WOW Challenge 2026"

Bühne frei für Innovation: BLACKPIN.IOT GmbH aus Aalen/Hüttlingen gewinnt den Regional Cup „Start-up WOW Challenge 2026“ des „Start-up BW Elevator Pitch 2026/27“ und sichert sich das Ticket fürs Landesfinale

Ministerin Hoffmeister-Kraut in der Mitte mit einem symbolischen Förderscheck
Förderung

Land fördert Reallabor für physische KI am IPAI CAMPUS mit zehn Millionen Euro

Das Land Baden-Württemberg fördert mit rund zehn Millionen Euro das Embodied AI Center als Teil des künftigen IPAI CAMPUS.

Logo von Start up BW
Start-up BW

Gründerwasen 2026

Gründerwasen 2026: Baden-Württembergs Start-up-Ökosystem in einem Festzelt vereint.

Bescheidübergabe am 7. Oktober 2026
Förderung

Land fördert Innovations- und Transferzentrum für Drohnen und Drohnenabwehr

Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus finanziert die Initialphase des Vor-habens „Innovations- und Transferzentrum für Drohnen und Drohnenabwehr – IZEDD“ mit rund 300.000 Euro.

Wirtschaftsgipfel Afrika
Wirtschaftsgipfel Afrika

5. Wirtschaftsgipfel Afrika in Stuttgart

Im Mittelpunkt des 5. Wirtschaftsgipfel Afrika stehen die vielfältigen wirtschaftlichen Chancen für eine Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und den Ländern Afrikas.