Denkmalschutz und -pflege

UNESCO-Weltkulturerbe-Titel für zwei Le Corbusier-Häuser in Stuttgart

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Le Corbusier-Häuser in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung (Quelle: Stadt Stuttgart, Brigida Gonzales)

Die herausragenden Bauten des Architekten Le Corbusier in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung sind zum Weltkulturerbe ernannt worden. Bei seiner 40. Sitzung am 17. Juli 2016 in Istanbul hat das Welterbekomitee 17 architekturgeschichtlich besonders bedeutsame und gut erhaltene Bauwerke sowie städtebauliche Ensembles von Le Corbusier in die Welterbeliste eingeschrieben. Für den deutschen Beitrag zeichnen das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg als oberste Denkmalschutzbehörde des Landes und die Landeshauptstadt Stuttgart verantwortlich.

„Es ist ein großartiger Erfolg für ganz Baden-Württemberg, dass wir mit unserem Antrag überzeugt haben und die Le Corbusier-Häuser von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt worden sind. Die beiden Gebäude sind ein Vorbild für moderne Wohnweise und Ästhetik. Wir können stolz auf das vielfältige kulturelle Erbe Baden-Württembergs sein“, sagte Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Gemeinsam hätten Land und Stadt seit 2003 für die internationale Anerkennung der beiden Gebäude geworben und gekämpft. „Es braucht einen langen Atem, um bei Welterbeverfahren erfolgreich ins Ziel zu kommen - umso schöner ist der heutige Tag für alle Beteiligten“, so die Ministerin. Der Antrag zum Werk von Le Corbusier sei 2016 der einzige Antrag unter Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland gewesen.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn: „Es ist großartig für Stuttgart, dass die Le Corbusier-Häuser der Weissenhofsiedlung endlich in den Rang eines Weltkulturerbes gehoben wurden. Le Corbusiers Impuls, günstige Wohnungen mit innovativen Grundrissen und neuen Materialien zu bauen, ist noch immer wegweisend und muss daher Ansporn für unsere Architekten und Stadtplaner sein. Heute haben wir es beim Bauen mit einer Vielfalt an Lebensentwürfen und Lebensformen zu tun. Le Corbusier hatte schon vor knapp 100 Jahren Ideen entwickelt, wie diese Vielfalt beim Bauen umgesetzt werden kann.“

Den Antrag hatten Frankreich, Argentinien, Belgien, Japan, die Schweiz, Deutschland und Indien gemeinsam bei der UNESCO im Januar 2015 eingereicht. Diese sieben Staaten, in denen sich die wichtigsten Werke von Le Corbusier finden, hatten sich zusammengeschlossen, um das internationale Werk dieses Architekten mit einem Welterbetitel zu würdigen.

Die gesamte Weissenhofsiedlung soll weiterhin im Zentrum der Arbeit zum kulturellen Erbe stehen. Aktuell wird für die Siedlung in Kooperation mit fünf weiteren europäischen Werkbundsiedlungen der 1920/30er Jahre ein Antrag für das Europäische Kulturerbesiegel vorbereitet. Mit diesem Antrag werden Projekte zur Vermittlung des Werts und der Bedeutung von Werkbundsiedlungen entwickelt, die sich an ein internationales Publikum und insbesondere an junge Menschen richten.

Das Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier zeigt, wie groß das Interesse am Werk von Le Corbusier auch heute noch ist. Seit der Eröffnung im Jahr 2006 zählt es rund eine Viertelmillion Besucher.

Weitere Informationen:
Der aktuelle Antrag wurde in Absprache mit dem Internationalen Denkmalrat I-COMOS überarbeitet. Er folgt den fachlichen Empfehlungen des Welterbekomitees aus dem Jahr 2011. Erstmals wurde die Aufnahme in die Welterbeliste 2008 beantragt. Der aktuelle Antrag umfasst 17 besonders bedeutsame und gut erhaltene Gebäude und Gebäudegruppen auf drei Kontinenten. Sie verdeutlichen die herausragende Rolle Le Corbusiers für die Architektur des 20. Jahrhunderts; gleichzeitig sind sie Zeugnisse der Globalisierung der Moderne.

Um die Erhaltung der Stätten in ihrer Gesamtheit zu koordinieren, sind länderübergreifende Netzwerke entstanden. Die Le Corbusier-Häuser waren Teil der Bauausstellung „Die Wohnung“ im Jahr 1927. Organisiert und gestaltet haben diese Ausstellung der Deutsche Werkbund sowie die Stadt Stuttgart unter der Leitung von Mies van der Rohe. Ihre besondere Bedeutung gewinnen die beiden Le Corbusier Bauten als Prototypen für zwei unterschiedliche Wege der Standardisierung im Wohnungsbau.

Von den nun 41 Welterbestätten in Deutschland liegen fünf in Baden-Württemberg. Dazu gehören das Zisterzienserkloster Maulbronn seit dem Jahr 1993, die Klosterinsel Reichenau seit dem Jahr 2000, der obergermanisch-raetische Limes seit dem Jahr 2005 sowie die Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen seit 2011.

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