Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut lädt zum „Wirtschaftsgespräch Russland“ ein

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Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (Bild: © Martin Stollberg)

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut lud Vertreter aus Wirtschaft, von Kammern und Verbänden zum dritten „Wirtschaftsgespräch Russland“ ein. Die Veranstaltung ist ein Nachklapp zur Wirtschaftsdelegationsreise nach Russland im Juni dieses Jahres. Unter dem Titel „Russlands Industrie im digitalen Wandel – Chancen für die baden-württembergische Wirtschaft“ hatte Hoffmeister-Kraut eine knapp 40-köpfige Delegation nach Moskau und Sankt Petersburg geführt. 

„So sehr die politische Lage die Beziehungen zwischen der EU und Russland auch belastet: wir sind bereit, die Probleme im Dialog zu erörtern und langfristig eine Lösung anzustreben“, so die Ministerin. „Mit meiner Delegationsreise habe ich den politischen Dialog nach vielen Jahren des Stillstandes wiederaufgenommen, die wirtschaftlichen Beziehungen neu belebt und konkrete Kooperationspotentiale ausgelotet“, so Hoffmeister-Kraut. Ein guter Anfang sei damit gemacht. Daran anknüpfend wolle sie den Kontakt weiter pflegen, um die Chancen für die baden-württembergische Wirtschaft zu nutzen. 

„Russland ist ein bedeutender globaler Akteur und wichtiger Wirtschaftspartner von Baden-Württemberg. Der angestrebte digitale Wandel der russischen Industrie eröffnet baden-württembergischen Unternehmen insbesondere im Maschinenbau und der Automobilindustrie gute Geschäftsmöglichkeiten.“ Nach einem Abwärtstrend befindet sich die russische Wirtschaft seit 2017 wieder auf einem Wachstumskurs. Um die Wachstumsraten weiter zu erhöhen, setzt die russische Regierung auf eine umfassende Modernisierung der Wirtschaft und verstärkt Investitionen in Schlüsselbranchen. Die Digitalisierung der russischen Wirtschaft zählen zu den wichtigsten Themen der russischen Regierung. 2017 startete Präsident Putin die Initiative „Digitale Wirtschaft“. Danach sollen bis 2024 jährlich etwa 1,4 Milliarden Euro in die Einführung digitaler Technologien fließen. Für 2018 und 2019 stehen sogar insgesamt 7,4 Milliarden Euro bereit.

Politisch belastet weiterhin der Ukraine-Konflikt die Beziehungen. Die deutsche Wirtschaft wiederum bekommt die negativen Auswirkungen der damit einhergehenden Sanktionen zu spüren und fordert daher seit längerer Zeit einen Neuanfang bei den deutsch-russischen Beziehungen. In einem im Januar vorgelegten Positionspapier sprach der Ost-Ausschuss der Wirtschaft von einem verlorenen Jahrzehnt in den EU-Russland-Beziehungen. 

Neben den Teilnehmern der Delegationsreise folgten Vertreter aus Wirtschaft, Kammern und Verbänden der Einladung in die Messe Stuttgart. Nach den Jahren 2015 und 2017 war dies bereits die dritte Auflage des Formats. Allen am Russlandgeschäft interessierten Unternehmen diente die Veranstaltung als Informations- und Austauschplattform, bei der auch zahlreiche Experten zu Wort kamen. Durch den Austausch mit den Experten bekamen die am Russlandgeschäft interessierten Unternehmen Tipps und Informationen aus erster Quelle. Die im Rahmen der Delegationsreise gesammelten Erfahrungen steuerten zudem einen besonderen Input bei. 

In zwei Impulsvorträgen berichteten Botschafter a. D. Rüdiger Freiherr von Fritsch, zuletzt fünf Jahre lang deutscher Botschafter in Russland, und Hannes Farlock von der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer ihre Sicht auf die derzeitige Situation in Russland. In einer daran anschließenden Podiumsrunde unter der Moderation von Prof. Dr. Mangold, Honorarkonsul der Russischen Föderation in Baden-Württemberg, tauschten sich Experten aus Wirtschaft und Verwaltung über ihre Erfahrungen und Kenntnisse aus.

Hintergrundinformationen

Nach dem BIP-Wachstum von -2,8 Prozent in 2015 und -0,2 Prozent in 2016 war ab 2017 wieder ein Plus zu verzeichnen: +1,5 Prozent in 2017 und +1,7 Prozent in 2018. Für 2019 wird ein Wachstum von +1,0 Prozent erwartet. Gründe für den Abwärtstrend bis 2016 waren

  • ein sinkender Ölpreis – und in der Folge Erdgaspreis (rund 50 Prozent des russischen Staatshaushaltes hängen von Exporterlösen aus Erdgas ab),
  • strukturelle Defizite und mangelnde wirtschaftliche Diversifizierung,
  • ausbleibende Investitionen und zugleich Kapitalabzug,
  • mangelndes Vertrauen in die wirtschaftspolitische Entwicklung und daraus folgend ein schlechtes Geschäftsklima.

Ein Großteil des Wachstums in den Jahren 2017/2018 war ölpreisgetrieben. Im Zuge höherer Exporterlöse konnte Russland sein Handelsvolumen ausdehnen und Mehreinahmen im föderalen Haushalt verbuchen.

Korrelierend mit dem negativen Wirtschaftswachstum und infolge der seit 2014 (Ukrainekrise) verhängten Sanktionen sind die baden-württembergischen Exporte nach Russland bis 2016 stetig gesunken:

  • 2014: -15,8 Prozent auf 4,08 Milliarden Euro;
  • 2015: -25,7 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro;
  • 2016: -6,4 Prozent auf 2,84 Milliarden Euro.

Der negative Trend hat sich mit dem wieder ansteigenden Wirtschaftswachstum ab 2017 nicht fortgesetzt: 2017 haben die baden-württembergischen Exporte nach Russland +10,25 Prozent auf 3,13 Milliarden Euro und 2018 +4,83 Prozent auf 3,28 Milliarden Euro zugenommen.

Für Baden-Württemberg steht Russland bei den Exporten an 16. Stelle und bei den Importen an 26. Stelle.

Wichtigste Exportgüter Baden-Württembergs nach Russland waren 2018 Maschinen mit 0,91 Milliarden Euro, gefolgt von Kraftwagen und Kraftwagenteilen mit 0,84 Milliarden Euro. Bei den Importen aus Russland nach Baden-Württemberg machten Erdöl und Erdgas mit 0,66 Milliarden Euro den wichtigsten Anteil aus.

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