Arbeitsmarkt

Mehr Frauen in Beschäftigung – strukturelle Hürden bleiben bestehen

Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung e. V. (IAW) hat im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg einen neuen Bericht zur geschlechterspezifischen Beschäftigungsentwicklung im Land vorgestellt.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Zwei Frauen sitzen vor einem Laptop / ©Kobu Agency / Unsplash

Titel: „Betriebliche Beschäftigungsentwicklung und betriebliches Einstellungsverhalten in Baden-Württemberg. Eine geschlechterspezifische Analyse auf der Basis des IAB-Betriebspanels“.

Der Bericht zeigt: Die Beschäftigung von Frauen in Baden-Württemberg hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Gleichzeitig bestehen am Arbeitsmarkt weiterhin strukturelle Unterschiede zwischen Frauen und Männern.

„Der Fachkräftemangel zwingt uns, alle vorhandenen Arbeitskräftepotenziale von Frauen noch entschlossener zu erschließen. Der Bericht zeigt klar: Frauen tragen in Baden-Württemberg zunehmend zur Beschäftigungsentwicklung bei. Gleichzeitig bestehen weiterhin strukturelle Hürden – etwa bei Teilzeit, Vereinbarkeit und dem Zugang zu Führungspositionen. Hier müssen wir die Rahmenbedingungen weiter verbessern, insbesondere bei der Kinderbetreuung und der Unterstützung von Beschäftigten mit Pflegeverantwortung“, sagte Arbeits- und Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut zu den veröffentlichten Ergebnissen.

Der Frauenanteil an der Gesamtbeschäftigung lag 2024 in Baden-Württemberg bei 47 Prozent und damit auf Bundesniveau. Gegenüber 2011 entspricht dies einem Anstieg um drei Prozentpunkte. Zugleich entwickelte sich die Beschäftigung von Frauen im Land in den vergangenen Jahren dynamischer als die Gesamtbeschäftigung.

Gleichzeitig macht der Bericht fortbestehende strukturelle Hürden sichtbar. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Teilzeitbeschäftigung: Im ersten Halbjahr 2024 arbeiteten 51 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Teilzeit, bei den Männern waren es 15 Prozent. Hohe Teilzeitanteile finden sich insbesondere im Gesundheits- und Sozialwesen, in der öffentlichen Verwaltung sowie im Handel. Auch die Verteilung von Frauen und Männern auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche unterscheidet sich weiterhin deutlich. Rund 55 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten im Dienstleistungssektor, im Produzierenden Gewerbe hingegen nur rund 15 Prozent. Zwar ist seit 2020 auch dort ein Anstieg der Frauenbeschäftigung zu beobachten, die Entwicklung bleibt jedoch hinter jener im Dienstleistungssektor zurück.

Frauen sind zudem in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Obwohl 2024 47 Prozent aller Beschäftigten Frauen waren, waren nur 30 Prozent der Positionen auf der ersten Führungsebene und 42 Prozent auf der zweiten Führungsebene mit Frauen besetzt. Zwar zeigt sich auch hier eine positive Entwicklung – seit 2012 ist der Frauenanteil auf der ersten Führungsebene von 25 auf 30 Prozent, auf der zweiten Führungsebene von 33 auf 42 Prozent gestiegen; gerade auf der obersten Führungsebene besteht jedoch weiterhin Nachholbedarf.

Die Analyse zeigt außerdem, dass betriebliche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wichtige Rolle spielen: 63 Prozent der baden-württembergischen Betriebe bieten mindestens eine solche Maßnahme an. Besonders häufig sind mit 56 Prozent der baden-württembergischen Betriebe familienfreundliche Arbeitszeitmodelle. 20 Prozent halten Kontakt zu Beschäftigten in Elternzeit, 13 Prozent unterstützen bei der Kinderbetreuung und 10 Prozent bieten Hilfen für Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen an. Allerdings hat mehr als ein Drittel der Betriebe keine der benannten Maßnahmen, und größere Betriebe nutzen solche (formalen) Instrumente deutlich häufiger als kleinere Unternehmen.

Auch wenn dies keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang darstellen muss: Baden-württembergische Betriebe mit mindestens einer Maßnahme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf weisen bereinigt um weitere Faktoren im Durchschnitt einen höheren Frauenanteil bei den Neueinstellungen auf als Betriebe ohne Maßnahmen. Besonders deutlich ist dieser Zusammenhang in kleineren Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten. Vor allem die familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung scheint dafür verantwortlich zu sein.

Unabhängig von den genannten Fortschritten macht der Bericht deutlich, dass die Anstrengungen zur Gleichstellung weiter verstärkt werden müssen. Dazu gehören neben besseren strukturellen Rahmenbedingungen auch gezielte Instrumente wie Mentoring-Programme, Frauenförderpläne und Weiterbildungsangebote für Führungsaufgaben. Zugleich zeigt die Studie, dass diese Maßnahmen ihre volle Wirkung nur dann entfalten können, wenn die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege im Alltag verlässlich möglich ist. Vorrangig bleibt daher, die Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung, Ganztagsangeboten und der Unterstützung von Beschäftigten mit Pflegeverantwortung weiter zu verbessern.

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus fördert die Chancengleichheit von Frauen am Arbeitsmarkt auf vielfältige Weise. Hierzu zählen insbesondere das Landesprogramm Kontaktstellen Frau und Beruf (www.frauundberuf-bw.de) mit seinem Mentorinnenprogramm für Migrantinnen, Angebote zur Förderung von Frauen in MINT-Berufen
(www.mint-frauen-bw.de) sowie Unterstützungsangebote für Betriebe bei der Entwicklung familienfreundlicher Maßnahmen, etwa über familyNet4.0 (www.familynet-bw.de), ferner durch die gezielte Unterstützung von Frauen auf ihrem Weg in Führung zu gehen mit dem Projekt Spitzenfrauen BW (www.spitzenfrauen-bw.de).

Downloads

https://wm.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-wm/intern/Dateien_Downloads/IAW_Kurzbericht_5_2026.pdf

Kontakt

Weitere Meldungen

Eine Hand hält eine Glühbirne in die Höhe
Pharmastandort

Hoffmeister-Kraut: GKV-Reform darf Pharmastandort nicht schwächen

Hoffmeister-Kraut: GKV-Reform darf Pharmastandort nicht schwächen.

Logo von Start up BW
Start-up BW

Start-up BW Family Day: Land bringt Start-up Ökosystem zusammen

Rund 250 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren diskutierten beim ersten Start-up BW Family Day über Finanzierung, Venture Clienting und die Zukunft des Start-up-Ökosystems in Baden-Württemberg.

Ein Mann und eine Frau geben sich in einem Meeting mit anderen die Hand
Förderung

Kümmerer-Programm wird bis 2028 fortgeführt

Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus verlängert das Förderprogramm „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Zugewanderte“ („Kümmerer-Programm“) für 2027 und 2028.

Ein Mann mit einer Schutzbrille zeigt auf eine Maschine. Neben ihm ein junger Mann ebenfalls mit einer Schutzbrille der darauf schaut.
Praktikumswochen

Berufe praxisnah erleben: Praktikumswochen starten am 12. Oktober

Vom 12. Oktober bis zum 6. November 2026 finden wieder die Praktikumswochen Baden-Württemberg statt.

Digital Hub Neckar-Alb
Förderung

500.000 Euro für Digitalisierung der Unternehmen

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut hat den Digital Hub Neckar-Alb in Reutlingen besucht und dabei einen Förderbescheid in Höhe von rund 500.000 Euro übergeben.

Verleihung Staatspreis Kunsthandwerk
Staatspreis

Staatspreise „Gestaltung Kunst Handwerk 2026“ verliehen

Meisterhafte Unikate und überraschende Ideen: Staatspreise „Gestaltung Kunst Handwerk 2026“ verliehen.

Besuch von EU-Generaldirektorin Kerstin Jorna
EU-Kommission

Baden-Württemberg im direkten Austausch mit der EU-Kommission

Industrie, KI und Wettbewerbsfähigkeit: Baden-Württemberg im direkten Austausch mit der EU-Kommission.

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Zumeldung

Hoffmeister-Kraut: Europa und Kanada müssen jetzt noch enger zusammenrücken

Ministerin Hoffmeister-Kraut äußert sich zum Vorstoß von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für eine noch engere Anbindung Kanadas an die Europäische Union.

unsplash / kendall ruth
Pro Beruf

Praxisnahe Berufsorientierung von Jugendlichen für 2027 und 2028 gefördert

Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg verlängert das Programm „ProBeruf“ für 2027 und 2028.

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Delegationsreise

Hoffmeister-Kraut stärkt Kooperation mit Polen

Sicherheit ist Wirtschaftspolitik: Hoffmeister-Kraut stärkt Kooperation mit Polen.

Virtuelle Visualisierung einer Glühbirne
Ausbildung

Unternehmen setzen auch in herausfordernden Zeiten auf berufliche Ausbildung

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. September betonte Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut die guten beruflichen Perspektiven, die eine Ausbildung eröffnen

Virtuelle Visualisierung einer Glühbirne
BW-Capital

BW-Capital investiert in HyImpulse

BW-Capital investiert in HyImpulse / Starkes Signal für den Raumfahrtstandort Baden-Württemberg.

Autos auf einem Parkplatz
Audi-Werk

Klares Bekenntnis zu Audi-Werk in Neckarsulm gefordert

Hoffmeister-Kraut fordert von Vorstand und Aufsichtsrat klares Bekenntnis zu Audi-Werk in Neckarsulm

Virtuelle Visualisierung einer Glühbirne
Förderung

Wirtschaftsministerium fördert Beratungen für mittelständische Unternehmen

Wirtschaftsministerium fördert Beratungen für mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Handwerk, Dienstleistung, Industrie und Handel mit 1,1 Millionen Euro.

Tourismussommerreise der Ministerin
Tourismus

Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut auf Tourismusreise im Schwarzwald

Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut besuchte im Rahmen der diesjährigen Sommerreise zum Thema Tourismus zwei Institutionen im Schwarzwald.