Üblicherweise findet der Austausch der baden-württembergischen Wirtschaft mit den europäischen Institutionen in Brüssel statt. Im Rahmen der Innovationskonferenz FUTUROMUNDO kommen im Haus der Wirtschaft in Stuttgart nun am Freitag (26. Juni) Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments, führender Wirtschaftsverbände und Unternehmen zusammen und diskutieren darüber, wie Europa im globalen Wettbewerb wieder an Dynamik gewinnen kann.
Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus, betont zum Auftakt die besondere Bedeutung des neuen Veranstaltungsformats: „Unser Wirtschaftsgipfel Baden-Württemberg – EU in Brüssel ist seit Jahren ein sehr wichtiger Termin, um die Perspektive unserer Wirtschaft in die europäische Debatte einzubringen. Gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen ist es aber entscheidend, dass dieser Austausch nicht ausschließlich in Brüssel stattfindet. Europa muss dorthin gehen, wo seine Entscheidungen konkrete Auswirkungen entfalten – in die Regionen, in die Unternehmen, zu den Innovatoren vor Ort.“
Zu den Gästen des ersten „Wirtschaftsgipfels BW-EU on Tour“ zählen unter anderem Dr. Andreas Schwarz, Kabinettschef von EU-Kommissarin Ekaterina Zaharieva sowie die Abgeordneten des Europäischen Parlaments Prof. Dr. Andrea Wechsler und Prof. Dr. René Repasi.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Innovationen in Europa besser ermöglicht und schneller in Wertschöpfung umgesetzt werden können. Hoffmeister-Kraut dazu: „Europa muss schneller darin werden, Innovationen zu ermöglichen, zu skalieren und in industrielle Stärke zu übersetzen.“ Angesichts wachsender internationaler Konkurrenz stehe Europa unter erheblichem Handlungsdruck. „China und die USA investieren mit enormer Geschwindigkeit in ihre industrielle Zukunft. Für Baden-Württemberg als einen exportorientierten und innovationsstarken Wirtschaftsstandort hat diese Entwicklung reale Konsequenzen. Um den Anschluss nicht zu verlieren, brauchen wir bessere Rahmenbedingungen. Gerade unsere Industrie steht mitten in einem tiefgreifenden Transformationsprozess“, so Hoffmeister-Kraut.
Baden-Württemberg verfüge über starke Voraussetzungen, diesen Wandel erfolgreich zu gestalten. Das Land investiere gezielt in Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Robotik, Automatisierung und neue Mobilitätslösungen und stärke gezielt Innovationsnetzwerke zwischen Forschung, Start-ups, Mittelstand und Industrie.
Gleichzeitig warnt Hoffmeister-Kraut vor strukturellen Defiziten auf europäischer Ebene: „Europa hat kein Innovationsproblem. Wir verfügen über exzellente Forschung, hochinnovative Unternehmen und enorme technologische Kompetenz. Unser eigentliches Problem ist die Skalierung. Zu häufig erleben wir, dass Unternehmen hier gegründet werden, aber für Wachstumskapital oder schnelle Marktumsetzung in andere Weltregionen abwandern.“
Aus Sicht der Wirtschaftsministerin muss Europa deshalb vor allem an drei entscheidenden Stellschrauben arbeiten: an schnelleren Genehmigungsprozessen, an einem besseren Zugang zu Wachstumskapital und einem europäischen Binnenmarkt, der ein europaweites Skalieren erleichtert.
Auch Baden-Württemberg setzt bereits gezielt auf innovationsfreundliche Rahmenbedingungen. Mit Invest BW sind seitens des Landes seit 2021 rund 479 Millionen Euro für mehr als 900 Innovationsprojekte bereitgestellt worden. Zudem hat das Land in den vergangenen Jahren massiv in Künstliche Intelligenz investiert und stärkt mit Start-up BW, der neuen BW-Capital GmbH sowie einem geplanten Zukunftsfonds gezielt die Finanzierung technologieorientierter Unternehmen. Mit der im Koalitionsvertrag der Landesregierung vereinbarten High-Tech-Strategie wird das Land unter Federführung des Wirtschaftsministeriums künftig weitere Anstrengungen unternehmen, um die Technologien gezielt zu stärken, die über die Wettbewerbsfähigkeit der nächsten Jahrzehnte entscheiden.
Zum Start des ersten „Wirtschaftsgipfel BW-EU on Tour“ zeigt sich Hoffmeister-Kraut optimistisch: „Europa ist bereits heute in vielen Bereichen Spitze – im Maschinenbau, in industrieller KI, Robotik, Automatisierung, Medizintechnik und GreenTech. Wir haben exzellente Forschung, hochqualifizierte Fachkräfte, kreative Gründerinnen und Gründer sowie innovative Unternehmen. Jetzt müssen wir diese Stärken konsequent bündeln und in wettbewerbsfähige industrielle Wertschöpfung überführen.“
Stimmen aus Baden-Württemberg
Der Wirtschaftsgipfel Baden-Württemberg – EU 2026 on Tour wird gemeinsam mit den zentralen Partnerorganisationen der Wirtschaft ausgerichtet: dem Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag, HANDWERK BW, dem Sparkassenverband Baden-Württemberg, dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband, dem Bankenverband Baden-Württemberg und den Unternehmern Baden-Württemberg.
Zitate der Verbandsspitzen:
Thomas Bürkle, Präsident der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW):
„Gerade aus der Perspektive einer exportorientierten Industrieregion wie Baden-Württemberg ist klar: Wettbewerbsfähigkeit ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für Innovation, Wachstum und gute Arbeitsplätze. Deshalb setzen wir darauf, dass die Europäische Kommission den Fokus noch stärker auf bessere Investitionsbedingungen, mehr Technologieoffenheit und größere Innovationsdynamik legt. Unsere Firmen sind bereit zu investieren – sie brauchen dafür aber einen Rahmen, der Vertrauen schafft und unternehmerische Initiative unterstützt.“
Thomas Conrady, Vizepräsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages e.V. (BWIHK):
„Der Wirtschaftsgipfel on Tour setzt an der richtigen Stelle an: Baden-Württemberg braucht den direkten Austausch mit der europäischen Ebene, damit Innovationen schneller in marktfähige Produkte und industrielle Anwendung kommen können. Gerade vor dem Hintergrund, dass die EU für die exportstarke Südwestwirtschaft mit Abstand der wichtigste Absatzmarkt ist, ist mehr Tempo ein Gewinn. Unsere Unternehmen haben die Ideen, technologische Kompetenz und den Willen zur Umsetzung. Jetzt kommt es darauf an, Verfahren zu beschleunigen, Förderzugänge zu vereinfachen und den Transfer aus Forschung in die betriebliche Praxis zu stärken. Gerade für den Mittelstand muss europäische Innovationspolitik einfacher, planbarer und näher an der Realität der Unternehmen werden.“
Dr. Reiner Dietrich, Präsident des Bankenverbandes Baden-Württemberg:
„Baden-Württemberg ist dank seiner Innovationsstärke ein wichtiger Pfeiler der europäischen Wirtschaft, mit seiner Exportorientierung aber auch Seismograf unserer Wettbewerbsfähigkeit. Hier müssen wir nun alles daran setzen, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Innovationen und Investitionen wieder in Baden-Württemberg stattfinden - vieles davon haben wir selbst in der Hand.“
Dr. Matthias Neth, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg (SVBW):
„Als innovativste Region in Europa besitzt Baden-Württemberg überdurchschnittliche Zukunftsperspektiven mit einem leistungsfähigen Mittelstand, den unsere Sparkassen und Landesbank auf der Finanzierungsseite eng begleiten. Wir begrüßen, dass die neue Landesregierung gezielte Impulse setzen will, um die Innovationen im Land weiter voranzubringen. Aber auch auf europäischer Ebene braucht es dafür die richtigen Weichenstellungen.“
Rainer Reichhold, Präsident Handwerk BW
"Ein starkes Europa ist für das Handwerk in Baden-Württemberg unverzichtbar. Viele Entscheidungen aus Brüssel wirken direkt auf die Betriebe vor Ort – etwa bei Bürokratie, Fachkräftesicherung und Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb muss europäische Politik die Praxis der kleinen und mittleren Betriebe frühzeitig und stärker mitdenken. Formate wie der ‚Wirtschaftsgipfel BW-EU on Tour‘ sind dafür wichtig. Sie schaffen direkten Austausch, stärken das gegenseitige Verständnis und sorgen dafür, dass die Anliegen der Handwerksbetriebe im Land dort ankommen, wo Entscheidungen vorbereitet werden. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten braucht es diesen engen Dialog mehr denn je."
Dr. Ulrich Theileis, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands e.V.:
„Aus guten Ideen werden erst dann Innovationen und Arbeitsplätze, wenn Unternehmen investieren können. Dafür brauchen diese verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Komplexität und starke regionale Finanzierungspartner. Die Genossenschaftsbanken ermöglichen diese Transformation jeden Tag vor Ort.“















