Studie

Strukturstudie BWe mobil 2019

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Verkehrsminister Winfried Hermann (l.), Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (2.v.r) und Geschäftsführer der e-mobil BW, Franz Loogen (r.), präsentieren die neue Stukturstudie (Bild: e-mobil)

Rund 470.000 Beschäftigte in Baden-Württemberg sind direkt oder indirekt vom Automobil abhängig und damit von den Veränderungen durch Elektromobilität und zunehmender Digitalisierung der Produktion betroffen. „Sowohl das Produkt Automobil als auch die gesamten Prozesse von Entwicklung, Produktion oder Vertrieb verändern sich. Es findet ein umfassender Technologie- und Strukturwandel statt, der durch einen harten internationalen Innovationswettbewerb angetrieben wird. Das automobile Wertschöpfungssystem verändert sich durch neue Konkurrenten und immer kürzere Innovations- und Marktzyklen. 2030 könnte bereits jeder zweite Neuwagen in Europa ein reines E-Fahrzeug sein“, fasste Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive e-mobil BW GmbH, die in der neuen Strukturstudie BWe mobil 2019 analysierten Trends zusammen, die am 18. März in Stuttgart vorgestellt wurde.

Industrie- und Förderpolitik an Innovationen ausrichten

„Die Studie zeigt klar auf, wie wir unsere Technologieführerschaft erfolgreich ausbauen können und bestärkt uns in dem eingeschlagenen Weg: Unsere strategische Industrie- und Förderpolitik muss klar auf Innovation ausgerichtet sein. Der Ausbau der wirtschaftsnahen Forschung als wichtiger Partner unseres Mittelstands, massive Investitionen in Batterieforschung, Startup-Förderung sowie in Weiterbildungs- und Qualifizierungskonzepte für die Beschäftigten sind essentiell. Mit dem Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg können wir die notwendigen Unternehmens- und Standortstrategien erarbeiten, um eine nachhaltige Beschäftigungsperspektive für die Menschen im Land zu sichern“, sagte Ministerin Hoffmeister-Kraut bei der Vorstellung der Studie.

Leitmarkt und Leitanbieter für nachhaltige Mobilität

Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: „Baden-Württemberg muss zum Leitmarkt und Leitanbieter für eine nachhaltige Mobilität und damit zum Vorreiter für den Transformationsprozess zur klimafreundlichen Elektromobilität werden. Nicht die Transformation zur Elektromobilität selbst gefährdet die Branche, sondern verpasste Gestaltungschancen bei deren aktiver Weiterentwicklung. Die Elektromobilität auf der Basis erneuerbarer Energien bietet enorme Chancen aus ökologischer und ökonomischer Sicht. Die damit verbundenen Herausforderungen müssen wir gemeinsam für eine lebenswerte und wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft angehen. Wenn jeder dabei einen Beitrag leistet, können wir den Transformationsprozess erfolgreich gestalten.“

Die Studie wurde im Auftrag der Landesagentur e-mobil BW GmbH unter Federführung des Instituts für Fahrzeugkonzepte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. gemeinsam mit der IMU-Institut GmbH und der BridgingIT GmbH erstellt, um den Markthochlauf der Elektromobilität bis 2030 anhand zweier Szenarien („Business-as-usual-Szenario“, „Progressives Szenario“) zu simulieren und davon ausgehend die Auswirkungen auf Wertschöpfung und Beschäftigung im baden-württembergischen Automobilcluster zu betrachten.

Progressives Szenario 2030: Batteriefahrzeug kostet weniger als Verbrenner

Je nach Szenario liegt der Anteil reiner E-Fahrzeuge an den Neuzulassungen im Jahr 2030 bei 15 bzw. 51 Prozent. Das Eintreten der Szenarien ist vor allem von für Baden-Württemberg nicht direkt beeinflussbaren Faktoren, wie z.B. der Entwicklung von Batteriekosten, der Ausweitung der Produktionskapazitäten und des Produktangebots für E-Fahrzeuge, CO2-Grenzwerten oder der internationalen Nachfrage, bestimmt. Mit dem Markthochlauf der Elektromobilität prognostizieren die Autoren sinkende Kosten für neue Antriebstechnologien. Während ein konventionelles Verbrennungsfahrzeug im Jahr 2015 noch einen Kostenvorteil von 10.000 Euro aufweist, ist es 2030 im progressiven Szenario 1.000 Euro teurer als ein batterieelektrisches Fahrzeug. Dies liegt an der steigenden Komplexität und den steigenden Kosten für Effizienztechnologien sowie gleichzeitig sinkenden Kosten für Batterien.

Technologie- und Strukturwandel wirken sich unterschiedlich stark auf die Beschäftigten in Baden-Württemberg aus

Die klimaschutzpolitische Einordnung beider Szenarien zeigt, dass eine über das Szenario „Business as usual“ hinausgehende Entwicklung besser geeignet erscheint, um die Sektorziele 2030 zu erreichen. Mit Blick auf die langsamen Umwälzungsprozesse im Fahrzeugbestand ist möglichst frühzeitig ein höherer Elektrifizierungsgrad anzustreben, um die geplante Treibhausgasneutralität 2050 erreichen zu können. Dies setzt sowohl hohe Marktanteile elektrischer Antriebe als auch deutliche Veränderungen der derzeitigen Mobilität voraus.

Minister Hermann verdeutlichte: „Es muss uns gelingen, den Verkehr nicht nur auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu verlagern, sondern eine Mobilitätswende zu schaffen, die Wege auch einspart und neue saubere und klimafreundliche Mobilität ermöglicht!“

Mit der Transformation sind negative Beschäftigungseffekte im baden-württembergischen Automobilcluster verbunden, die jedoch bezogen auf die gesamte Branche moderat ausfallen. Dies gilt aber nur, wenn das Cluster auch bei den alternativen Antriebstechnologien seine weltweit führende Innovationsrolle behält und bei den neuen Komponenten Marktanteile in ähnlicher Höhe wie heute gewinnen kann. Durch das Marktwachstum bei neuen Komponenten für die Elektromobilität und den gleichzeitigen Rückgang konventioneller Komponenten ergeben sich je nach Szenario für das Jahr 2030 insgesamt Beschäftigungseffekte von +1,9 Prozent (+8.900 Beschäftigte) bis hin zu –6,6 Prozent (–30.800 Beschäftigte). Ministerin Hoffmeister-Kraut betonte: „Wir benötigen für unsere bisherigen Produktionsstandorte nachhaltige Entwicklungsperspektiven, um auch bei den zukünftigen Komponenten eine zentrale Rolle zu spielen und Standortverschiebungen in die Wachstumsmärkte oder Niedriglohnländer zu verhindern. Management, Beschäftigte und Politik müssen hier an einem Strang ziehen.“

Produktionswerke im Zentrum der Veränderung

In der näheren Analyse zeigt sich, dass die im Branchendurchschnitt ausgleichenden positiven und negativen Beschäftigungseffekte aber sehr unterschiedlich verteilt sind. Die direkt vom Antriebsstrang abhängigen Produktionswerke in Baden-Württemberg mit ihren 70.000 Beschäftigten könnten in besonderem Maße betroffen sein und müssen bei der Gestaltung des Transformationsprozesses in den Blick genommen werden. Die erfolgreiche Bewältigung dieser Transformation erfordert deshalb eine gemeinsame Anstrengung von Politik, Wirtschaft und Beschäftigten.

Wirtschaftsstandort als führendes Zentrum industrieller Innovationen sichern

Die wirtschaftliche Stärke Baden-Württembergs stützt sich schon seit Jahren auf ein spezifisches Innovationscluster, das sich auf Innovationen im Umfeld der industriellen Produktion spezialisiert hat und dabei weltweit eine führende Position einnimmt. Diese Strategie gelte es fortzuführen, empfehlen die Autoren. Dafür muss Produktionswissen und Produktinnovation auch bei den neuen Antriebsstrangkonzepten idealerweise verknüpft und in Wertschöpfung und Beschäftigung umgesetzt werden. „Mit unseren über 140 Partnern im Cluster Elektromobilität Süd-West verfolgen wir das Ziel, die Industrialisierung der Elektromobilität in Deutschland voranzubringen und Baden-Württemberg als führenden Anbieter nachhaltiger und intelligenter Mobilitätslösungen zu positionieren“, sagte Franz Loogen.

 

Strukturstudie (PDF)

 

Weitere Meldungen

Ministerin Hoffmeister-Kraut in der Mitte mit einem symbolischen Förderscheck
Förderung

Land fördert Reallabor für physische KI am IPAI CAMPUS mit zehn Millionen Euro

Das Land Baden-Württemberg fördert mit rund zehn Millionen Euro das Embodied AI Center als Teil des künftigen IPAI CAMPUS.

Logo von Start up BW
Start-up BW

Gründerwasen 2026

Gründerwasen 2026: Baden-Württembergs Start-up-Ökosystem in einem Festzelt vereint.

Bescheidübergabe am 7. Oktober 2026
Förderung

Land fördert Innovations- und Transferzentrum für Drohnen und Drohnenabwehr

Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus finanziert die Initialphase des Vor-habens „Innovations- und Transferzentrum für Drohnen und Drohnenabwehr – IZEDD“ mit rund 300.000 Euro.

Wirtschaftsgipfel Afrika
Wirtschaftsgipfel Afrika

5. Wirtschaftsgipfel Afrika in Stuttgart

Im Mittelpunkt des 5. Wirtschaftsgipfel Afrika stehen die vielfältigen wirtschaftlichen Chancen für eine Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und den Ländern Afrikas.

Auftaktveranstaltung Frauenwirtschaftstage 2026
Frauenwirtschaftstage

22. Frauenwirtschaftstage eröffnet

22. Frauenwirtschaftstage eröffnet – Ökonomische Gleichstellung als Wirtschaftspotenzial steht im Mittelpunkt.

Verleihung der Wirtschaftsmedaille
Wirtschaftsmedaille

Wirtschaftsmedaille des Landes für BeneVit-Gründer Kaspar Pfister

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut hat den Gründer und Inhaber der BeneVit Gruppe, Kaspar Pfister, mit der Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Bei der Paneldiskussion „Wie viel Industriepolitik braucht Europa?“ in der Landesvertretung Baden-Württemberg hat sich die Wirtschaftsministerin dazu mit Anna Cavazzini, Estelle Göger, Freya Lemcke und Daniele Pontarollo
Industrial Accelerator Act (IAA)

Hoffmeister-Kraut fordert in Brüssel bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft ein

Hoffmeister-Kraut fordert in Brüssel bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft ein.

Eine Hand hält eine Glühbirne in die Höhe
Pharmastandort

Hoffmeister-Kraut: GKV-Reform darf Pharmastandort nicht schwächen

Hoffmeister-Kraut: GKV-Reform darf Pharmastandort nicht schwächen.

Logo von Start up BW
Start-up BW

Start-up BW Family Day: Land bringt Start-up Ökosystem zusammen

Rund 250 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren diskutierten beim ersten Start-up BW Family Day über Finanzierung, Venture Clienting und die Zukunft des Start-up-Ökosystems in Baden-Württemberg.

Ein Mann und eine Frau geben sich in einem Meeting mit anderen die Hand
Förderung

Kümmerer-Programm wird bis 2028 fortgeführt

Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus verlängert das Förderprogramm „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Zugewanderte“ („Kümmerer-Programm“) für 2027 und 2028.

Ein Mann mit einer Schutzbrille zeigt auf eine Maschine. Neben ihm ein junger Mann ebenfalls mit einer Schutzbrille der darauf schaut.
Praktikumswochen

Berufe praxisnah erleben: Praktikumswochen starten am 12. Oktober

Vom 12. Oktober bis zum 6. November 2026 finden wieder die Praktikumswochen Baden-Württemberg statt.

Digital Hub Neckar-Alb
Förderung

500.000 Euro für Digitalisierung der Unternehmen

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut hat den Digital Hub Neckar-Alb in Reutlingen besucht und dabei einen Förderbescheid in Höhe von rund 500.000 Euro übergeben.

Verleihung Staatspreis Kunsthandwerk
Staatspreis

Staatspreise „Gestaltung Kunst Handwerk 2026“ verliehen

Meisterhafte Unikate und überraschende Ideen: Staatspreise „Gestaltung Kunst Handwerk 2026“ verliehen.

Besuch von EU-Generaldirektorin Kerstin Jorna
EU-Kommission

Baden-Württemberg im direkten Austausch mit der EU-Kommission

Industrie, KI und Wettbewerbsfähigkeit: Baden-Württemberg im direkten Austausch mit der EU-Kommission.

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Zumeldung

Hoffmeister-Kraut: Europa und Kanada müssen jetzt noch enger zusammenrücken

Ministerin Hoffmeister-Kraut äußert sich zum Vorstoß von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für eine noch engere Anbindung Kanadas an die Europäische Union.