Markt

Wirtschaftsminister aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg beklagen Marktzugangsbarrieren für Unternehmen im Frankreich-Geschäft

Berechne Lesezeit
  • Teilen

In einem gemeinsamen Schreiben haben sich jetzt erstmals die an Frankreich angrenzenden Bundesländer an die französische Arbeitsministerin Pénicord gewandt, um auf die seit einiger Zeit entstandenen Marktzugangsbarrieren im Frankreich-Geschäft hinzuweisen und Erleichterungen und den Abbau von bürokratischen Belastungen anzumahnen.

Darin beklagen sich die Wirtschaftsministerinnen Anke Rehlinger (Saarland), Nicole Hoffmeister-Kraut (Baden-Württemberg) und ihr rheinland-pfälzischer Minister-Kollege Dr. Volker Wissing über den zusätzlichen bürokratischen und finanziellen Aufwand für ausländische Unternehmen durch die Verschärfung der französischen Entsendeverfahren. Dazu zählen erheblich ausgeweitete Anmeldeverfahren, die Benennung eines Vertreters in Frankreich sowie umfassende Dokumentationspflichten.

Zugleich begrüßen Rehlinger, Hoffmeister-Kraut und Wissing, dass der französische Gesetzgeber bereits im September die Voraussetzungen dafür geschaffen hat, dass per Dekret künftig Erleichterungen für bestimmte Betriebe geschaffen werden können, wobei auch der Grenzraum besonders erwähnt wird.

Auf der Grundlage der Forderungen der Kammern und Verbände regen die/der Wirtschaftsministerinnen/minister für dieses Dekret konkret an:

  • Einrichtung eines deutschsprachigen Meldeportals;
  • Nichtumsetzung einer Entsendegebühr am 1. Januar 2018;
  • Gleichstellung der Entsendebetriebe bei der Ausstellung der Carte BTP im Baubereich mit den französischen Betrieben;
  • Beschränkung der Meldepflicht auf missbrauchsanfällige Branchen und weitere Ausnahmen bei Erstmontagen und Einbauarbeiten;
  • Ausnahmen von Meldeverpflichtungen bei Notfall- und Reparaturmaßnahmen sowie Kurzzeitentsendungen.

Mit diesen Erleichterungen könnten grenzüberschreitende Waren- und Dienstleistungslieferungen von den deutschen Betrieben leichter umgesetzt werden, „ohne dass der auch von uns geteilte Ansatz effektiver Kontrollen der Mindestlöhne und Arbeitsschutzbedingungen in Frage gestellt wird“, wie es in dem Sachschreiben wörtlich heißt.

Besonders vordringlich erscheint den/dem Wirtschaftsministerinnen/minister, dass der im Februar 2017 im Büro des Saarlands in Paris begonnene Dialog zwischen den in den grenznahen Kammern und Verbänden beratend tätigen Experten sowie den drei Landesministerien und der Deutschen Botschaft mit den zuständigen Vertretern der französischen Seite zu den aufgeworfenen Fragen fortgeführt und eine technische Arbeitsgruppe eingerichtet wird.

In dem Schreiben wird dargelegt, wie eng sich mittlerweile die wirtschaftlichen Verflechtungen gerade im deutsch französischen Grenzraum entwickelt hat: „Es muss daher gerade in den Grenzräumen unter Beweis gestellt werden, dass von den Wirtschaftsakteuren die Vorteile des europäischen Binnenmarktes voll ausgeschöpft werden können.“

Mit dem gemeinsamen Schreiben erhoffen sich die/der Wirtschaftsministerinnen/minister, dass ihre Forderungen bei der Ausarbeitung eines Dekrets in Paris berücksichtigt werden. Es wäre ein „hochwillkommenes Zeichen“ der französischen Seite, wenn die ab dem 1. Januar 2018 von der abtretenden Vorgängerregierung eingeführte neue Entsendegebühr nicht umgesetzt würde. „Hier könnte der französische Staatspräsident Macron auf seine Europarede ein klares und konkretes Zeichen für das weitere Zusammenwachsen der deutschen und französischen Wirtschaftsräume setzen.“

Aus der Sicht der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut ist das gemeinsame Schreiben auch ein Ergebnis der seit Anfang des Jahres engeren Zusammenarbeit der drei an Frankreich angrenzenden Bundesländer. „Gerade in dem schwierigen Dossier der Entsendereglungen ist es wichtig, dass wir uns eng abstimmen und unsere spezifischen Erfahrungen aus der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit einbringen. Nur so können wir unsere gemeinsamen Interessen in Paris und Berlin sowie gegenüber der neu konstituierten französischen gemeinsamen Nachbarregion Grand Est wahren.“

Die saarländische Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr, Anke Rehling, erklärte: „Wir sind es im Saarland seit langem gewohnt, über die Staatsgrenze hinaus zu denken. Es ist erfreulich, dass unsere kleineren und mittleren Unternehmen das auch tun. Aber sie stoßen immer wieder auf bürokratische Hindernisse. Das sollte sich ändern. Im Übrigen ist das auch ganz im Sinn der Verbraucherinnen und Verbraucher. Ihnen muss man in Grenzregionen die Möglichkeit geben, den Lieferanten und Dienstleister ihrer Wahl zu bekommen, auch wenn er jenseits der Grenze sitzt.“

"Rheinland-Pfalz hat eine traditionell enge Bindung an Frankreich. Die Unternehmen in der Grenzregion unterhalten auf beiden Seiten gute Geschäftsbeziehungen zueinander“, sagte der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing. „Angesichts dieser traditionell sehr guten Zusammenarbeit mit Frankreich ist es kontraproduktiv, dass eine Richtlinie, die das berechtigte Anliegen des Schutzes vor Lohndumping zum Ziel hat, im Ergebnis dazu führt, dass der Handel zwischen zwei Ländern mit beiderseits gutem Lohnniveau behindert wird. Hier sind wir gefordert, Regeln zu vereinfachen, damit die Unternehmen die Möglichkeiten des europäischen Binnenmarkts so einfach wie möglich für sich nutzen können.“ 

Pressekontakt:
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg
Silke Walter
Telefon: +49/711/123-2859
E-Mail: pressestelle@wm.bwl.de

Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr Saarland
Jennifer Collet
Telefon: +49/681/501-1690
E-Mail: medien@wirtschaft.saarland.de 

Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz
Susanne Keeding
Telefon: +49/6131/16-2550
E-Mail: pressestelle@mwvlw.rlp.de

Weitere Meldungen

Regional Cup Bodensee-Oberschwaben
Start-up BW

Regional Cup Bodensee-Oberschwaben des „Start-up BW Eleva-tor Pitch 2025/26“

Bühne frei für Innovation: Moritz Gloger und Nico Haas aus Uhldingen-Mühlhofen gewinnen den Regional Cup Bodensee-Oberschwaben des „Start-up BW Elevator Pitch 2025/26“ und sichern sich das Ticket fürs Landesfinale.

Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Arbeitsmarktzahlen

Die übliche Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt bleibt aus

Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, äußert sich anlässlich der Veröffentlichung der neuesten Arbeitsmarktzahlen.

Mensch und Roboter begrüßen sich, indem Sie die Knöchel aneinanderdrücken.
Förderung

Rund zwei Millionen Euro für Innovationen in KI und Robotik

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus fördert das „Reallabor für rechtskonforme KI und Robotik am KI-Fortschrittszentrum“ bis Februar 2028 mit rund zwei Millionen Euro.

unsplash / kendall ruth
familyNET 4.0

familyNET 4.0: Wettbewerb für moderne Unternehmenskultur geht in die achte Runde

Am 27. April startet der Wettbewerb „familyNET 4.0 – Der Wettbewerb für eine moderne Unternehmenskultur“ in die achte Runde.

Eine Hand hält eine Glühbirne in die Höhe
Staufermedaille

Staufermedaille für herausragendes Engagement: Hubertus Nimsch geehrt

Für sein außergewöhnliches Lebenswerk im Bereich Forstwirtschaft und Dendrologie wurde Hubertus Nimsch am heutigen Freitag (24. April) mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Hannover Messe 2026
Hannover Messe

Baden-Württemberg auf der Hannover Messe 2026

Baden-Württemberg auf der Hannover Messe 2026: Motor für industrielle Innovation.

Logo von Start up BW
Start-up BW

Förderung im Gründungsprogramm Start-up BW Pre-Seed

Wirtschaftsministerium und L-Bank benennen elf Kandidaten für Förderung im Gründungsprogramm Start-up BW Pre-Seed.

Eine Hand hält eine Glühbirne in die Höhe
Förderung

Land stärkt Innovationsallianz Baden-Württemberg mit rund 40,6 Millionen Euro

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg unterstützt die Forschungsinstitute der Innovationsallianz Baden-Württemberg (innBW) im Jahr 2026 mit einer Grundfinanzierung in Höhe von rund 40,6 Millionen Euro.

Zwei Frauen sitzen vor einem Laptop / ©Kobu Agency / Unsplash
Arbeitsmarkt

Mehr Frauen in Beschäftigung – strukturelle Hürden bleiben bestehen

Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung e. V. (IAW) hat im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg einen neuen Bericht zur geschlechterspezifischen Beschäftigungsentwicklung im Land vorgestellt.

Gewinnerteam Regional Cup Tübingen
Start-up BW

ELASTheal aus Tübingen gewinnt den Regional Cup Tübingen

Bühne frei für Innovation: ELASTheal aus Tübingen gewinnt den Regional Cup Tübingen des „Start-up BW Elevator Pitch 2025/26“ und sichert sich das Ticket fürs Landesfinale.

Virtuelle Visualisierung einer Glühbirne
Förderung

Land fördert Technologiekooperation mit der Ukraine

Land fördert Technologiekooperation mit der Ukraine.

Europaflagge / ©Harald Richter
Förderung

Großes wirtschaftliches Potenzial: Land fördert 14 Prototypen für Zukunftstechnologie

Auch die zweite Runde der Prototypenförderung für innovative Technologien ist ein Erfolg: Aus 52 Anträgen von staatlichen Hochschulen und den wirtschaftsnahen außeruniversitären Forschungseinrichtungen wurden 14 Projekte bewilligt.

Bescheidübergabe am 31. März 2026
Förderung

Innovatives Verfahren für klimaneutrale Produktion gefördert

Vom Klimagas zum Rohstoff – Innovatives Verfahren für klimaneutrale Produktion in Baden-Württemberg mit rund 1,4 Millionen Euro gefördert.

Bescheidübergabe am 31. März 2026
Förderung

Land stärkt den Automotive-Standort im Rems-Murr-Kreis mit rund fünf Millionen Euro

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut übergabam 31. März einen symbolischen Förderscheck in Höhe von rund fünf Millionen Euro an das Unternehmen ZF LIFETEC.

unsplash / kendall ruth
Arbeitsmarkt

Arbeitsmarktzahlen: Verhaltene Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, äußert sich anlässlich der Veröffentlichung der neuesten Arbeitsmarktzahlen.