Zweckentfremdungsverbot

Zweckentfremdungsverbot: Bayerischer Verwaltungsgerichtshof entscheidet über die Zulässigkeit der Auskunftspflicht für Betreiber von Internetportalen für Ferienwohnungen

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Glühbirne / © seabass creatives / Unsplash

Wirtschafts- und Wohnungsbauministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut kündigte anlässlich einer zwischenzeitlich vorliegenden Entscheidung des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 20. August 2019 zum Zweckentfremdungsverbot heute (11. September) einen Vorschlag zur Änderung des Landesgesetzes an. „Nachdem nun endlich Klarheit besteht, unter welchen Voraussetzungen eine Auskunftspflicht für Betreiber von Internetplattformen für Ferienwohnungen rechtlich zulässig ist, werden wir daraus Konsequenzen für Baden-Württemberg ziehen. Wir werden schnellstmöglich einen Gesetzentwurf zur Änderung des Zweckentfremdungsverbotsgesetzes auf den Weg bringen und darin unter Berücksichtigung der Maßgaben des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs eine Auskunftspflicht vorschlagen.“

Das Wirtschaftsministerium hatte bislang eine abschließende Festlegung über die Frage einer Erweiterung der Auskunftspflicht nach dem Zweckentfremdungsverbotsgesetz auf Betreiber von Internetportalen für Ferienwohnungen zurückgestellt und mitgeteilt, abzuwarten, bis im Zuge des dazu anhängigen Berufungsverfahrens beim bayerischen Verwaltungsgerichtshof Rechtssicherheit besteht. Dieser hat die Berufung von Airbnb gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts München vom 12. Dezember 2018 wegen ernstlicher Zweifel an der Richtigkeit des Bescheids der Stadt München auf der Grundlage der landesrechtlichen Satzungsermächtigung zugelassen, da die generelle und flächendeckende Auskunftserteilung nach Auffassung des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs nicht zulässig sei. Die Abfrage personenbezogener Daten ist demzufolge lediglich im Einzelfall bei hinreichendem Anfangsverdacht zulässig.

Hoffmeister-Kraut sieht sich in ihrer Vorgehensweise bestätigt, zunächst die Entscheidung im bayerischen Berufungsverfahren abzuwarten, um Rechtssicherheit zu erhalten. „Ich habe immer betont, dass ich mich sinnvollen weitergehenden Regelungen nicht verschließe – solange diese rechtssicher sind. Nun werden wir mit Hochdruck die weiteren Schritte angehen.“ Das Wirtschaftsministerium werde kurzfristig einen Gesetzentwurf erarbeiten und zur Abstimmung innerhalb der Landesregierung vorlegen.

Weitere Informationen

Seine Entscheidung stützte der bayerische Verwaltungsgerichtshof maßgeblich auf datenschutzrechtliche und verfassungsrechtliche Erwägungen: § 14 Telemediengesetz gestatte dem Diensteanbieter eine Erteilung von Auskünften ausdrücklich nur „im Einzelfall“, während die landesrechtlichen Regelungen eine generelle und flächendeckende Auskunftserteilung beanspruchen, also ein Auskunftsverlangen ohne Vorliegen eines hinreichenden Anfangsverdachts quasi „ins Blaue hinein“ nahelegen. Die konzeptionelle Entscheidung des Bundesgesetzgebers dürfe durch eine auf Spezialzuständigkeiten gründende Entscheidung eines Landesgesetzgebers nicht verfälscht oder unterlaufen werden, somit sei die Abfrage personenbezogener Daten nach dem bayerischen Zweckentfremdungsverbotsgesetz ebenfalls nur im Einzelfall zulässig. Die Eingriffsschwelle sei durch den Bundesgesetzgeber im Telemediengesetz bewusst hoch angesetzt worden mit Blick auf das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung (Art. 2 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz).

Im Ergebnis hat der bayerische Verwaltungsgerichtshof das Auskunftsersuchen der Stadt München zwar als rechtswidrig beanstandet, hält aber eine entsprechende verfassungskonforme Auslegung der bayerischen landesrechtlichen Regelung für möglich.

Weitere Meldungen

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Zumeldung

Hoffmeister-Kraut: Europa und Kanada müssen jetzt noch enger zusammenrücken

Ministerin Hoffmeister-Kraut äußert sich zum Vorstoß von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für eine noch engere Anbindung Kanadas an die Europäische Union.

unsplash / kendall ruth
Pro Beruf

Praxisnahe Berufsorientierung von Jugendlichen für 2027 und 2028 gefördert

Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg verlängert das Programm „ProBeruf“ für 2027 und 2028.

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Delegationsreise

Hoffmeister-Kraut stärkt Kooperation mit Polen

Sicherheit ist Wirtschaftspolitik: Hoffmeister-Kraut stärkt Kooperation mit Polen.

Virtuelle Visualisierung einer Glühbirne
Ausbildung

Unternehmen setzen auch in herausfordernden Zeiten auf berufliche Ausbildung

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. September betonte Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut die guten beruflichen Perspektiven, die eine Ausbildung eröffnen

Virtuelle Visualisierung einer Glühbirne
BW-Capital

BW-Capital investiert in HyImpulse

BW-Capital investiert in HyImpulse / Starkes Signal für den Raumfahrtstandort Baden-Württemberg.

Autos auf einem Parkplatz
Audi-Werk

Klares Bekenntnis zu Audi-Werk in Neckarsulm gefordert

Hoffmeister-Kraut fordert von Vorstand und Aufsichtsrat klares Bekenntnis zu Audi-Werk in Neckarsulm

Virtuelle Visualisierung einer Glühbirne
Förderung

Wirtschaftsministerium fördert Beratungen für mittelständische Unternehmen

Wirtschaftsministerium fördert Beratungen für mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Handwerk, Dienstleistung, Industrie und Handel mit 1,1 Millionen Euro.

Tourismussommerreise der Ministerin
Tourismus

Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut auf Tourismusreise im Schwarzwald

Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut besuchte im Rahmen der diesjährigen Sommerreise zum Thema Tourismus zwei Institutionen im Schwarzwald.

Junge blonde Frau mit Handy in der Hand.
AzubiCardBW

Startschuss für das neue Ausbildungsjahr: Die AzubiCardBW

Startschuss für das neue Ausbildungsjahr: Die AzubiCardBW stärkt Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung.

Staatssekretär Thomas Dörflinger steht auf einem Kran udn wird in die Luft gehoben. Der Himmel ist blau.
Sommertour

Viertägige Handwerkssommertour durch Baden-Württemberg gestartet

Staatssekretär Thomas Dörflinger startet viertägige Handwerkssommertour durch Baden-Württemberg.

Ein Gruppenbild mit einer Delegation aus Lwiw und der Ministerin
Pressemitteilung

Wirtschaftsforum Baden-Württemberg - Ukraine

Das Wirtschaftsforum Baden-Württemberg - Ukraine zeigt Chancen auf für die baden-württembergische Wirtschaft.

Bescheidübergabe Digital Hubs
Pressemitteilung

Baden-Württemberg fördert Digitalisierung der Wirtschaft mit rund 6 Millionen Euro

Am 23. Juli hat Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut vier symbolische Förderschecks von insgesamt rund zwei Millionen Euro an regionalen Digital Hubs übergeben.

Bescheidübergabe Hahn-Schickard
Pressemitteilung

Wirtschaftsministerium fördert Electronic Packaging mit rund 2,4 Millionen Euro

Stärkung resilienter Lieferketten: Wirtschaftsministerium fördert Electronic Packaging mit rund 2,4 Millionen Euro

Bescheidübergabe FZI und HdM
Förderung

Baden-Württemberg fördert Robotik-Innovation mit rund 1 Million Euro aus EU-Mitteln

Das Forschungszentrum Informatik (FZI) in Karlsruhe und die Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) erhalten für das Projekt „Roboter-Simulacrum“ einen symbolischen Förderscheck in Höhe von einer Million Euro.

Portraitbilder Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Wirtschaftsförderung

Neue Zeitrechnung für Risikokapital-Förderung in Baden-Württemberg

Landesgesellschaft: BW-Capital startet operativen Betrieb