Internationaler Frauentag

Wirtschaftsministerium veröffentlicht neue Studie zu Frauen als Fach- und Führungskräfte

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Schulung von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (rrrob, Fotolia)

Zum heutigen Internationalen Frauentag hat das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg eine neue Studie bekannt gegeben. Frauen holen beruflich in Baden-Württemberg weiter auf, doch es gibt weiterhin bedeutende Geschlechterunterschiede, zeigen die Berechnungen des IAW Tübingen.

Trotz positiver Tendenzen bei der Erwerbsbeteiligung, beim Anteil der Frauen in Führungspositionen und beim Bildungsniveau, sieht die Wirtschafts- und Arbeitsministerin auch weiterhin erheblichen Handlungsbedarf: „Frauen sind zunehmend gut qualifiziert und in den Arbeitsmarkt integriert, das ist positiv und sehr wichtig. Doch wir sehen auch, dass Frauen deutlich häufiger atypisch beschäftigt sind als Männer, also in Teilzeit, Befristung oder Minijobs arbeiten. Und auch wenn der Anteil der Frauen in Führungspositionen in Baden-Württemberg wächst, sind Frauen in diesen Positionen immer noch deutlich unterrepräsentiert“, betonte Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut.

Um dies zu verändern, müssten vor allem die betrieblichen Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern intensiviert werden. „Unser leistungsstarker Wirtschaftsstandort braucht die Fähigkeiten von qualifizierten Frauen als Fach- und Führungskräfte, um innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. Die Ministerin appellierte daher an die Unternehmen, ihr Engagement zu verstärken und auch die Chancen der Digitalisierung für eine familienbewusste Arbeitswelt noch stärker zu nutzen. Durch gezielte Personalentwicklung könne das enorme Potenzial von Frauen stärker für qualifizierte Tätigkeiten und Führungspositionen erschlossen werden.

Wie die IAW-Studie zeigt, sind Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie trotz eines leichten Anstiegs insgesamt immer noch wenig verbreitet. Die „Rücksichtnahme bei den Arbeitszeiten“ steht hier mit großem Abstand auf Platz eins in der betrieblichen Praxis (21 Prozent der Betriebe). Finanzielle Beteiligung an der Kinderbetreuung, Unterstützung bei pflegebedürftigen Angehörigen oder Angebote für Beschäftigte in Elternzeit sind indes noch stark ausbaufähig (jeweils weniger als zehn Prozent der Betriebe).

Betriebliche Aktivitäten zur gezielten Förderung von Frauen – beispielsweise durch Mentoring-Programme, Frauenförderpläne, spezielle Weiterbildung oder betriebliche Zielvereinbarungen zur Erhöhung des Frauenanteils – sind in Baden-Württemberg und auch in Deutschland insgesamt immer noch sehr schwach ausgeprägt. So engagierten sich in 2016 lediglich etwa zwei Prozent der Betriebe für eine gezielte Förderung ihrer weiblichen Belegschaft.

Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen:
Die Analysen auf Basis des IAB-Betriebspanels zeigen, dass die Beschäftigung von Frauen in Baden-Württemberg deutlich stärker wächst als die Gesamtbeschäftigung. Der Frauenanteil an der Gesamtbeschäftigung hat mit 45,4 Prozent einen neuen Höchstwert erreicht und nähert sich dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 46,1 Prozent weiter an. In den Jahren 2015 und 2016 waren Frauen bei den Einstellungen erstmals überrepräsentiert, bei den Abgängen aus den Betrieben hingegen unterrepräsentiert. Auch das erforderliche Qualifikationsniveau der jeweils ausgeübten Tätigkeiten nimmt zu, sodass Frauen gegenüber Männern aufholen (2016 übten elf Prozent der beschäftigten Frauen eine Tätigkeit aus, die einen Hochschulabschluss erfordert, gegenüber 16 Prozent der Männer). Auch der Frauenanteil in den betrieblichen Führungsebenen ist stärker angestiegen als an der Gesamtbeschäftigung. Frauen nutzen schließlich auch überproportional häufig betriebliche Weiterbildungsangebote (2016: 48 Prozent).
Die geschlechtsspezifische Beschäftigungsstruktur (Berufssegregation) in den beiden Wirtschaftssektoren Dienstleistungen und Industrie gleicht sich nicht an, sondern verfestigt sich vielmehr weiter: So steigt die Zahl der Arbeitsplätze von Frauen vor allem im Dienstleistungssektor an, während in der Industrie seit 2014 ein Rückgang des Frauenanteils festzustellen ist.

Zudem ist der Frauenanteil an den erfolgreichen Ausbildungsabschlüssen seit 2013 deutlich auf 41 Prozent zurückgegangen. Frauen sind immer noch weitaus häufiger atypisch (insbesondere in Teilzeit, geringfügig und befristet) beschäftigt als Männer und es gibt immer noch große Unterschiede beim zeitlichen Arbeitseinsatz von Frauen und Männern.

Trotz einer leichten Steigerung des Anteils weiblicher Führungskräfte seit 2004 von 24 Prozent auf 27 Prozent auf der ersten und von 30 Prozent auf 40 Prozent auf der zweiten Führungsebene sind Frauen (nicht nur in Baden-Württemberg) auf beiden Ebenen immer noch deutlich unterrepräsentiert. Ihre Präsenz und Verbreitung in Führungspositionen hängt nicht nur von der Branchenzugehörigkeit oder der Betriebsgröße ab. Vielmehr sind – wie bereits eine frühere IAW-Studie gezeigt hat – Personalstruktur, Personalpolitik, Unternehmenskultur und Arbeitszeitgestaltung von besonderer Relevanz. Sie haben es besonders im Dienstleistungsbereich, im Handel und im Öffentlichen Dienst schwer, in die erste Führungsebene zu gelangen.


Weitere Informationen:

Hier können Sie den IAW-Kurzbericht 4/2017 (PDF) downloaden.

Informationen zu den Aktivitäten des Wirtschaftsministeriums finden Siehier

Klempt, Charlotte und Klee, Günther (2017): Betriebliche Beschäftigungsentwicklung und betriebliches Einstellungsverhalten in Baden-Württemberg. Eine geschlechtsspezifische Analyse auf der Basis des IAB-Betriebspanels (Wellen 2000 – 2016), IAW-Kurzbericht 4/2017.

Weitere Meldungen

Virtuelle Visualisierung einer Glühbirne
Chemieagenda 2045

Gemeinsames Länderschreiben zur Chemieagenda 2045

Gemeinsames Länderschreiben zur Chemieagenda 2045: Ergebnisse und dringender Handlungsbedarf

Regional Cup Böblingen - Elevator Pitch 2025/26
Start-up BW

Viktor Becker aus Geislingen an der Steige gewinnt den Regional Cup Böblingen

Bühne frei für Innovation: Viktor Becker aus Geislingen an der Steige gewinnt den Regional Cup Böblingen des „Start-up BW Elevator Pitch 2025/26“ und sichert sich das Ticket fürs Landesfinale.

Siegerehrung Start-up BW Elevator Pitch Vorentscheid Rems-Murr
Start-up BW

Fibryx GmbH aus Stuttgart-Vaihingen gewinnt Regional Cup „START-UP & GROW REMS-MURR“

Bühne frei für Innovation: Fibryx GmbH aus Stuttgart-Vaihingen gewinnt den Regional Cup „START-UP & GROW REMS-MURR“ des „Start-up BW Elevator Pitch 2025/26“ und sichert sich das Ticket fürs Landesfinale.

Start-up BW

EasZotic GmbH, Jakob und Elisabeth Tillery aus Horb gewinnen Regional Cup

Bühne frei für Innovation: EasZotic GmbH, Jakob und Elisabeth Tillery aus Horb sichern sich das Ticket für das Landesfinale.

Eine Hand hält eine Glühbirne in die Höhe
Förderung

Land fördert Miniatur-Batterien für die Medizintechnik mit rund acht Millionen Euro

Das Land Baden-Württemberg startet im März das Projekt „Medicell“.

Podiumsgespräch im Haus der Wirtschaft in Stuttgart
Mentorinnen-Programm

10 Jahre Empowerment - Mentorinnen-Programm startet in die Jubiläumsrunde

10 Jahre Empowerment – Mentorinnen-Programm für Migrantinnen startet in die Jubiläumsrunde

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Bundesrat

Wirtschaftsministerin lehnt erneute Verbote für Automobilbranche rundweg ab

Der Wirtschaftsausschuss des Bundesrates hat in seiner heutigen Sitzung (12. März) einem Antrag der Länder Bayern und Baden-Württemberg zugestimmt.

Start-up BW Local - Symbolbild
Start-up BW Local

Landeswettbewerb Start-up BW Local – jetzt als gründungsfreundliche Kommune bewerben

Baden-Württembergische Kommunen haben jetzt wieder die Möglichkeit, gründungsfreundliche Strukturen aufzubauen und damit am Landeswettbewerb „Start-up BW Local – gründungsfreundliche Kommune“ teilzunehmen.

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Zumeldung

Zumeldung zum Jahresbericht 2025 des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA)

Hoffmeister-Kraut äußert sich zum Jahresbericht 2025 des Deutschen Patent- und Markenamts - Baden-Württemberg weiter an der Spitze!

Virtuelle Visualisierung einer Glühbirne
Wissenschaftsfreiheitsgesetz

Forderung Baden-Württembergs zur Änderung des Wissenschaftsfreiheitsgesetzes

Forderung Baden-Württembergs zur Änderung des Wissenschaftsfreiheitsgesetzes stärkt die Forschungsinstitute der Länder.

Mikrochip / ©Rutkovski.by
Förderung

Land stärkt Chip-Ökosystem und zukunftsweisende Halbleiter-Chipentwicklung zur KI

Land stärkt Chip-Ökosystem und zukunftsweisende Halbleiter-Chipentwicklung zur KI mit fünf Millionen Euro.

©Martina Berg, stock.adobe.com
Wirtschaftsstandort

Erweiterung der Hensoldt Optronics GmbH in Aalen

Erweiterung der Hensoldt Optronics GmbH in Aalen – Klares Bekenntnis zum Standort Baden-Württemberg.

Europaflagge / ©Harald Richter
Industrial Accelerator Act

EU veröffentlicht Industrial Accelerator Act

Hoffmeister-Kraut: Vorschlag weist in falsche Richtung

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Dienstleistungswirtschaft

Impulse für die Zukunft der Dienstleistungswirtschaft im Land

Die Dienstleistungswirtschaft ist ein wichtiger Pfeiler der baden-württembergischen Wirtschaft. Sie sichert Wertschöpfung und Beschäftigung, treibt Innovationen voran und gewinnt im Zuge des industriellen Strukturwandels weiter an Bedeutung.

Bescheidübergabe am 4. März 2026
Förderung

Land stärkt Innovationsstandort Baden-Württemberg mit rund 2,4 Millionen Euro

Land stärkt Innovationsstandort Baden-Württemberg mit rund 2,4 Millionen Euro