Leitökonomie Tourismus

Wirtschaftsfaktor Tourismus

Ein Paar geht in einem Kunstmuseum eine Treppe hinunter

Vielen Menschen in Baden-Württemberg ist die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Tourismusbranche nicht bewusst. Dabei profitiert nicht nur das Gastgewerbe und der Einzelhandel vom Tourismus, sondern auch Dienstleister, Zulieferer, regionale Produzenten oder Handwerksbetriebe – und nicht zuletzt auch die rechnerisch rund 380.000 Beschäftigten.

Mit dem „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ soll der Beitrag des Tourismus zur Wirtschaftskraft Baden-Württembergs anhand von anerkannten wirtschaftswissenschaftlichen Berechnungsmethoden sichtbar gemacht werden.

Der Bruttoumsatz aller erbrachten Leistungen in Bezug auf den Tourismus in Baden-Württemberg beträgt 2019 rund 25,3 Mrd. Euro. Das entspricht einer Steigerung um 1,9 Prozent gegenüber der letzten Berechnung von 2017. Die positiven Entwicklungen bei den Umsätzen im Tourismus sind nicht zuletzt das Ergebnis eines starken Gastgewerbes. Hier konnten Umsatzsteigerungen von über 5,7 Prozent erzielt werden. Die Umsätze, die im Einzelhandel durch den Tourismus generiert werden, sind dagegen leicht rückläufig (-1,3 Prozent gegenüber 2017).

Der touristische Einkommensbeitrag lag im Jahr 2019 bei 11,8 Mrd. Euro (+2,15 Prozent gegenüber 2017). Von der Wirtschaftskraft des Tourismus profitieren neben dem Gastgewerbe, dem Einzelhandel und den Dienstleistern auch die Kommunen deutlich. Allein aus Mehrwertsteuer und Einkommensteuer resultieren 2019 ca. 2,4 Mrd. Euro Steueraufkommen aus dem Tourismus in Baden-Württemberg (vorsteuerbereinigt), die als Gemeinschaftssteuer Bund, Ländern und Kommunen zukommt. Darüber hinaus erzeugt der Tourismus beispielsweise durch Grundsteuer, Gewerbesteuer, Zweitwohnungssteuer, Kurtaxe (gezahlt durch den Gast) und Tourismusabgabe (gezahlt durch das Gewerbe) weitere bedeutende Einnahmen für die Kommunen.

Dass diese Erfolge jedoch nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis harter Arbeit sind, zeigt auch der jähe Einbruch, den die Branche zuletzt durch die Corona-Krise erleiden musste. Den Berechnungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif) zufolge verzeichnet der Tourismus in Baden-Württemberg allein zwischen März und August 2020 einen Umsatzausfall von circa 8,1 Mrd. Euro. Zwar brachten die Lockerungen in den Sommermonaten einige Erleichterungen, jedoch konnten die Betriebe nicht an die Erfolge vor der Pandemie anknüpfen. Lediglich der Tagestourismus erholte sich verhältnismäßig schnell und die Gäste erhöhten ihre Ausgaben in diesem Segment. Insgesamt zeigt sich, dass der Tourismus deutlich stärker von der Krise betroffen ist als andere Branchen.

Ziel der Landesregierung ist es, möglichst schnell wieder das Ausgangsniveau vor Corona von 25,3 Mrd. Euro Umsatz zu erreichen. Dazu wurden umfangreiche finanzielle Mittel bereitgestellt und zahlreiche Unterstützungsmaßnahmen eingeleitet.

Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus 2019"(PDF)